Bisher hieß es, die Corona-Pandemie begann im Dezember in Wuhan. Doch Forschende aus England behaupten nun: Das Virus breitete sich womöglich schon viel früher weltweit aus.

Bisher sah es so aus, als wäre das Virus im Dezember in China auf den Menschen übertragen worden und hätte sich vorerst dort verbreitet. Die Forschenden der Universität London meinen: Zu dem Zeitpunkt war das Virus schon weltweit unterwegs.

"Womöglich saßen wir schon mit Corona unter dem Weihnachtsbaum."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das machen die Forschenden an den Gen-Mutationen des Virus fest. Ein Virus vermehrt sich, indem es das Erbgut ständig kopiert. Bei diesem Vorgang passieren auch Fehler - die dann ebenfalls weitergegeben werden.

Kopierfehler helfen bei Virus-Nachverfolgung

Diese Fehler sind für die Wissenschaft hilfreich. Denn sie helfen dabei, Verwandtschaftsbeziehungen zwischen einzelnen Viren nachzuverfolgen.

Im Fall des Coronavirus untersuchten die Forschenden mehr als 7.600 Genom-Sequenzen. Diese Daten waren öffentlich zugänglich und aus verschiedenen Ländern.

Aus diesen Daten konnten die Forschenden einen Virus-Stammbaum erstellen. Dabei stellten sie fest, dass etwa 200 Mutationen immer wieder vorkamen. Außerdem fanden sie heraus: In den Ländern, in denen sich das Virus besonders stark verbreitet hat, finden sich fast alle der global vorkommenden Mutationen - beispielsweise in Großbritannien oder den USA.

Das spricht dafür, dass das Virus sich schon länger weltweit verbreitet, weil mindestens diese beiden Ländern eine große Durchmischung mutierter Coronaviren aufweisen.

"In den Ländern, in denen sich das Virus besonders stark verbreitet hat, finden sich fast alle Mutationen des Virus. Das spricht dafür, dass das Virus sich auch schon länger weltweit verbreitet."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die These des englischen Forschungsteams scheinen auch Untersuchungen aus Frankreich zu unterstützen. Dort haben Ärzte 24 Proben von Dezember getestet - eine davon fiel positiv auf das Coronavirus aus.

Um die Ausbreitung des Virus besser nachvollziehen zu können, ruft die Weltgesundheitsorganisation nun global dazu auf, alte Fälle noch einmal auszupacken und auf das Virus zu testen. Vor allem Blutproben von Patienten, die mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus lagen, sollten erneut geprüft werden.