Wenn wir "I feel you" sagen, signalisieren wir Verständnis und Empathie für unser Gegenüber. Die Formulierung kann aber auch als gelangweiltes Kenn-ich-eh-schon rüberkommen. Der Kommunikationstrainer Jonas Zhang erklärt, was bei empathischer Kommunikation wichtig ist.

Wenn zwei Menschen über Intimes reden, dann passiert manchmal das hier: Die eine Person spricht und vom Gegenüber kommt - "I feel you." Das kann eine schöne Sache sein.

Ihre Freundinnen und Freunde hatten jedenfalls ohne Ausnahme alle eine Meinung zu diesen Oh-das-kenne-ich-Momenten, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Fanny. Ungünstig ist es, wenn sich diese Momente häufen und zu routiniert abgerufen werden. Dann kann sich das Gefühl eines kommunikativen Wettstreits einschleichen.

"Wenn schon mit eigenen Erfahrungen reagiert wird, dann wenigstens mit dem Gefühl, dass es nur ein Austausch ist und kein Wettkampf um möglichst viel Überschneidung."
Fanny, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Prinzipiell fänden ihre Freundinnen und Freunde I-feel-you-Reaktionen okay, es komme aber drauf an, worüber und mit wem gesprochen werde. Kiska hat die Erfahrung gemacht, dass damit manchmal ihre posttraumatische Reaktion auf etwas mit der Prüfungsangst von anderen gleichgesetzt wird.

Für Lukas kommt es auf den Zusammenhang an. Ein I-feel-you-Moment hat für ihn in sehr vertrauten Situationen eher nichts zu suchen. Bei Sebastian ist es genau andersrum. Und Bonnie reagiert selbst auch mal mit einem "Kenn ich auch!". Ihr ist es aber wichtig, dann nicht übergriffig zu werden.

"Ich qualifiziere mich ja nicht als die perfekte Zuhörerin, nur, weil ich in Gesprächen an jedes Thema mit eigenen Erfahrungen andocken kann."
Fanny, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Fanny findet, wir sollten erst mal abschätzen, wie eine Das-kenne-ich-auch-Antwort rüberkommen könnte oder eben sehr deutlich machen, was genau wir in dem Moment damit aussagen wollen.

Die I-feel-you-Reaktionen sind gewissermaßen menschlich, sagt der Kommunikationstrainer Jonas Zhang. Menschen berichteten eben gerne von ihrem eigenen Leben – weil sie glauben, dass viele Sachen, die sie erleben, auch andere Menschen so erleben.

Jonas Zhang, hat Psychologie studiert und arbeitet als Kommunikationstrainer und Coach in der RedeFabrik
© Jonas Zhang

I-feel-you-Reaktionen lassen sich auch als indirekte Ratschläge verstehen. "Grundsätzlich sind eigene Erfahrungen potenziell immer gute Ratschläge", sagt Jonas Zhang. Die Frage sei aber, ob im Gespräch der richtige Zeitpunkt dafür erreicht sei.

"Es gibt Leute, die sagen: Ich bin nicht ganz offen dafür, weil ich nicht den Eindruck habe: Wir sind ähnlich genug, dass deine Ratschläge auch wirklich auf mich zutreffen können." Es sei in jedem Fall total legitim, keinen Ratschlag haben zu wollen.

Erst verstehen, dann beraten

Bei Ratschlägen, die auf der eigenen Erfahrung basieren, würden wir oft die Individualität der anderen Person vernachlässigen. So könne es passieren, dass ein Ratschlag zwar gut gemeint ist, aber schlecht ankommt. "Tatsächlich gibt es meist den Effekt, dass man dann unhöflich und unempathisch rüberkommt", sagt Jonas Zhang. "Man hat den Eindruck: Die andere Person hört gar nicht richtig zu, hat das Ganze gar nicht verstanden und will jetzt einfach nur über sich selbst reden."

Dass wir als Ratschlag-gebende Person eine Situation nicht nachvollziehen können, kommt häufiger vor, betont Jonas Zhang – besonders bei komplexen Themen wie etwa psychischen Erkrankungen oder Schicksalsschlägen. In dem Fall sei es am besten, klar und ehrlich mitzuteilen, dass man bei dem Thema inhaltlich überfragt ist.

Die Kunst des Ratschlags

Man könne aber trotzdem Unterstützung anbieten und Empathie zeigen. "Die Botschaft sollte in der Kommunikation sein, dass man auf einer inhaltlichen Ebene nicht ganz weiterhelfen kann, weil man es einfach nicht verstehen kann", empfiehlt Jonas Zhang. "Aber auf der Beziehungsebene, dass man da ist. Und dann kann trotz eines Nichtverständnisses der Situation ein guter Ratschlag entstehen."

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