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Ein Dokument, das nachweist: Diese Person war mit dem Coronavirus infiziert, ist jetzt aber immun. Diesen sogenannten Immunitätsausweis wird es in absehbarer Zeit wohl erst einmal nicht geben in Deutschland. Oder doch? Die Debatte geht weiter.

Wie der Immunitätsausweis aussehen könnte, ist komplett offen. In der analogen Welt könnte es ein offizielles Dokument sein, eine Plastikkarte oder eine Urkunde aus Papier, ähnlich wie ein Personalausweis oder eine Geburtsurkunde, auf jeden Fall möglichst fälschungssicher.

Digitaler Ausweis wäre flexibler

Die digitale Variante wäre aber wahrscheinlich interessanter, weil sie mehr Vorteile hat: Beim Buchen einer Flugreise zum Beispiel oder bei digitalen Einlasskontrollen könnten die Inhaber des Ausweises einfach ihr Handy an ein Lesegerät halten, um feststellen zu lassen, dass sie immun sind.

Gesundheitsminister Jens Spahn möchte das Thema "in Ruhe abwägen und debattieren". Er hat den Deutschen Ethikrat um eine Stellungnahme gebeten.

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Ein Konzept für den elektronischen Immunitätsausweis ist unterdessen bereits in Entwicklung. Es wird von einem internationalen Branchennetzwerk, das sich mit dem Internet der Dinge befasst, erarbeitet.

Konzept ist in Entwicklung

Auch in Deutschland gibt es ein Konsortium, das sich damit beschäftigt, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung: unter anderem die Bundesdruckerei, die Uniklinik Köln und die Stadt Köln sollen daran beteiligt sein. Wie das genau funktionieren soll, ist allerdings noch offen, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Konstantin Köhler. Die Blockchain-Technologie könnte eine Lösung sein.

"Eine Idee ist, für den Immunitätsausweis die Blockchain-Technik zu benutzen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Ganz vereinfacht gesagt, ist die Blockchain eine sichere, unveränderbare Möglichkeit der Dokumentation. Dort wäre dann gespeichert: Person XY ist immun, bestätigt vom Testlabor XY. Das Ganze könnte am PC und per Smartphone verwaltet werden.

Ein Konzept für einen elektronischen Immunitätsausweis zu entwickeln, obwohl noch gar nicht entschieden ist, ihn auch wirklich einzuführen, mutet etwas komisch an. Allerdings müssen bestimmte Möglichkeiten ja auch erst mal aufgezeigt werden, um daraufhin dann entscheiden zu können, ob ein solcher Ausweis überhaupt technisch und konzeptionell umsetzbar ist.

Kritik und Bedenken

Die Kritik, die Entwicklung gehe zu schnell, kann unser Netzreporter aber nachvollziehen – zumal der Gesundheitsminister die Entscheidung zunächst zurückgestellt hat und auf die Stellungnahme des Ethikrates wartet.

Unabhängig von dieser Stellungnahme zeichnen sich schon jetzt große gesellschaftliche Bedenken ab, was eine solche Bescheinigung angeht. Kritiker befürchten eine diskriminierende Wirkung und dadurch eine Spaltung der Gesellschaft: Denn die einen wären dann – offiziell dokumentiert – immun und dürften womöglich wieder ganz normal ins Café, ohne Mundschutz einkaufen, ihre Angehörigen im Krankenhaus besuchen oder von A nach B fliegen. Alle anderen müssten die Präventionsregeln aber weiterhin beachten.

"Ich würde wetten, dass sich eine relevant hohe Zahl an Menschen absichtlich infizieren lassen will, um diesen Immunitätsausweis zu bekommen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Das Konfliktpotenzial ist auf jeden Fall groß. Wahrscheinlich würden sich Menschen sogar absichtlich mit Covid-19 anstecken, um in den Besitz des Ausweises zu gelangen, befürchtet unser Netzreporter.

Vorteile hätte der Ausweis aber auf jeden Fall – nicht nur für die Menschen mit Immunität selbst, sondern auch für den gesamten Medizin- und Pflegebereich. Auch für die komplette Wirtschaft wäre es eine Belebung, weil dann ja zumindest für einen Teil der Menschen wieder Normalität gälte. Aber wie gesagt – Kritik an dem Vorhaben gibt es genug. Manche halten den Ausweis sogar für "inhuman und verfassungswidrig".

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