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Corona hat der Wirtschaft weltweit einen ordentlichen Dämpfer verpasst, das ist bekannt. Neue Zahlen aus den USA zeigen jetzt: Besonders Frauen haben wirtschaftlich unter der Pandemie zu leiden. Wie ist das bei uns in Deutschland?

Allein im Dezember 2020 sind in den USA 140.000 Stellen weggefallen, die von Frauen besetzt waren, berichtet CNN. In den Vereinigten Staaten arbeiten Frauen häufiger in Branchen, die von den Corona-Beschränkungen besonders betroffen sind. Die negativen Folgen dieses Umstands waren bereits im Sommer erkennbar.

Die damit 1:1 vergleichbaren Zahlen aus Deutschland gebe es zwar nicht, sagt Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin. Es gebe allerdings eine ansteigende Arbeitslosigkeit, die sich zwar insgesamt noch auf einem verhaltenen Niveau bewege, die aber 2020 auch in Deutschland bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt gewesen sei als bei Männern.

Frauen arbeiten vor allem im Einzelhandel

Die gerade bekannt gewordenen Zahlen des Modehauses Adler, das einen Antrag zur Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hat, zeigten zudem, wie schlecht es dem Textil- und Schuhhandel gehe – einer Branche, in der vor allem Frauen beschäftigt seien. Mit etwas Zeitverzögerung wegen der Unterstützungsmaßnahmen sei hier ein deutlicher Einbruch zu befürchten, so Jutta Allmendinger.

Dass Frauen vor allem im Einzelhandel arbeiten, der von den Einschränkungen besonders betroffen ist, sei aber nicht der einzige Grund dafür, dass überwiegend Frauen die wirtschaftlichen Verliererinnen der Pandemie sind.

Frauen übernehmen meistens die Kinderbetreuung

Auch die Betreuung und – in Zeiten des Homeschoolings – Beschulung der Kinder werde meistens von Frauen erledigt. Dass die eigene Erwerbstätigkeit dabei gleichzeitig stundenmäßig stark nach unten korrigiert werden müsse, bedeute in aller Regel einen wirtschaftlichen Einbruch. Teilweise seien Arbeit und Kinderbetreuung auch überhaupt nicht nebeneinander zu schaffen und die Frauen müssten ganz aussteigen.

"Viele Frauen müssen gerade jetzt wieder auch die Betreuung und Beschulung der Kinder machen – und das auf nicht wirklich absehbare Zeit."
Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin

Dass sich die Betreuungszeiten der Kinder in Zeiten des Homeoffice bei Männern und Frauen gefühlt ein wenig annähern in Deutschland, war offenbar wirklich nur ein Gefühl – oder zumindest eine vorübergehende Beobachtung. Die Ungerechtigkeit zwischen Mann und Frau wird durch Corona eher noch verstärkt.

Männer kehren schneller zu ihren ursprünglichen Arbeitszeiten zurück als Frauen, zeigt etwa eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Außerdem vergrößert sich in der Pandemie auch die soziale Ungleichheit zwischen Arm und Reich, das hat eine weitere Studie der arbeitnehmernahen Stiftung untersucht.

Der zweite Lockdown macht es nicht einfacher

Wenn Frauen nach dem ersten Lockdown wieder in den Job einsteigen wollten, hätten sie häufig das Problem gehabt, diesen Plan nicht weiterverfolgen zu können, weil schon der nächste Lockdown vor der Tür stand, so Jutta Allmendinger. Dass das alles sehr stark an den Nerven zehrt, sei mehr als verständlich.

"Der zweite Lockdown zehrt stark an den Nerven und ruft Stress hervor – gerade bei Frauen. Ich kann nur allen ein starkes Rückgrat wünschen, da durchzukommen."
Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin

Dass Frauen häufiger als Männer auf Halbtags- oder Dreiviertelstellen sitzen, sei eher weniger das Problem, glaubt die Sozialforscherin. Es komme eher auf die Bereiche an, in denen die Frauen arbeiten. Der Einzelhandel sei stark von Corona betroffen. Andere Jobs, etwa die Care-Berufe, seien zwar eigentlich "bombensicher". Sie fänden aber außerhalb des Hauses statt und ließen sich deshalb nicht mit der Betreuung und Beschulung der Kinder kombinieren.

Optimismus klingt anders

Im Moment könne man nur wünschen, dass die Bundesregierung bei ihren Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen bleibe, sagt Jutta Allmendinger. Es sei zu hoffen, dass sich Unternehmen wie Adler konsolidieren können und es nicht zu einer ganzen Reihe an Insolvenzen kommt. Die meisten Beobachter würden allerdings eine Art "Marktbereinigung" fürchten, so die Sozialforscherin, auch durch den explodierenden Onlinehandel. Dieser werde zwar wieder ein wenig zurückgehen, aber nicht ganz.