Wegen der Corona-Maßnahmen können viele Selbstständige und Einzelhändler kaum oder gar nicht arbeiten. Die Corona-Hilfen sollen sie finanziell unterstützen. Einen Antrag auf Hilfszahlungen können in den meisten Fällen nur Steuerberaterinnen und Steuerberater stellen. Die versinken gerade im Papierkram und den Existenzängsten ihrer Mandanten.

Wie bekomme ich die Corona-Hilfen? Wie rechne ich Kurzarbeitergeld ab? Wo kann ich Unterlagen bei der Bank einreichen, damit ich einen Kredit bekomme? Fragen wie diese prägen seit März 2020 den Arbeitsalltag von Lars Nottelmann. Er arbeitet als Steuerberater. Seine Kanzlei vertritt viele Unternehmer und Selbstständige aus der Gastronomie, dem Einzelhandel oder der Veranstaltungsbranche.

Steuerberater Lars Nottelmann.
© Steuerberater-Verband e.V. Köln
Steuerberater Lars Nottelmann und Vorstandsmitglied des Steuerberater-Verband e.V. Köln.

Unternehmer und Selbstständige, die pandemiebedingt Betriebe schließen mussten oder keine Aufträge mehr bekommen, sorgen sie sich um ihre Existenz und die ihrer Mitarbeitenden. Viele von ihnen wenden sich daher an Steuerberaterinnen und Steuerberater wie Lars Nottelmann, um zum Beispiel die Corona-Hilfen zu beantragen. Denn: Nur in wenigen Ausnahmefällen kann die finanzielle Überbrückung der Bundesregierung direkt von den Soloselbstständigen angefordert werden.

Arbeitsflut und Ängste

Zusätzlich zu ihren alltäglichen Aufgaben wie Buchführung und Lohnabrechnung füllen die Steuerberaterinnen also seit Monaten etliche Online-Anträge aus und verschicken diese an die Behörden.

Technisch gesehen funktioniert die Beantragung über das Corona-Hilfen-Portal bislang gut, sagt der Steuerberater. Im Anschluss aber liegt der Antrag bei den Ämtern und dann heißt es oft Warten. "Die November-Hilfen sind, glaube ich, diese Woche erst zur Auszahlung gekommen, nachdem es im Dezember einen Abschlag gab. Und wir haben jetzt Mitte Januar. Da ist es natürlich schade, dass das November-Geld noch nicht bei den Leuten ist", erklärt er.

Druck aus Arbeit und Unsicherheit

Der Leidensdruck seiner Mandanten ist daher oft hoch. Auch Lars Nottelmann spürt den Druck, weil er ihnen helfen möchte. Viele betreut er seit Jahren und hat beobachtet, wie sie sich ihre Existenzen in dieser Zeit aufgebaut haben. Und jetzt würden sich viele fragen, ob sie etwa ihre Läden überhaupt noch öffnen können, sollten die Einschränkungen aufgehoben werden, weil einfach die Einnahmen der letzten Wochen fehlen.

"Natürlich geht einem das nahe, wenn jemand anruft und sagt: 'Ich weiß nicht, wie ich meine Gehälter am Ende des Monats bezahlen soll'."
Lars Nottelmann, Steuerberater

Für den Steuerberater bedeutet das, dass er in Corona-Zeiten zusätzlich zu der Beantragung der Corona-Hilfen eine Doppelrolle einnimmt: Auf der einen Seite braucht er für seine Arbeit eine gewisse Sachlichkeit. Andererseits sind da die Sorgen und Ängste seiner Mandantinnen. "Ich fühle mich ein bisschen wie der Arzt, der helfen muss, und es aber nichts bringt, in dem Moment Mitleid zu haben. Ich muss gucken, dass ich ein bisschen Abstand zu der Sache habe und das für die Mandanten vernünftig regle. Das belastet schon, da muss man gucken, dass das nicht zu nah an einen rankommt."