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13 Länder haben sich über die Hälfte der Impfdosen gesichert. Weil dazu auch die reichsten Länder der Welt zählen, ist Kritik laut geworden, ärmere Länder würden benachteiligt. Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth widerspricht. Länder wie die USA oder Europa hätten viel investiert und seien auch stark von der Pandemie betroffen.

Eigentlich hätten die wohlhabenden Länder mir ihren Investitionen in die Entwicklung eines Impfstoffs dafür gesorgt, dass dieser bereits jetzt vorliegt, findet Volkart Wildermuth. "Sie haben vorab sozusagen schon mal überwiesen, ohne zu wissen, ob sie dafür etwas bekommen", sagt der Wissenschaftsjournalist. Für Deutschland hätten sich zum Beispiel die Vorab-Investitionen in die Biotechnologieunternehmen Biontec und Pfizer gelohnt. Ähnlich sei es mit dem Unternehmen Moderna und den Investitionen der USA gelaufen. Die Länder werden jetzt auch die ersten Impfdosen erhalten.

"Diese Länder haben aber auch eine Verantwortung übernommen, indem sie durch die Investitonen die Entwicklung des Impfstoffs erst möglich gemacht haben."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Nach Schätzungen des Duke Global Health Innovation Center in North Carolina, USA, könnte es möglicherweise bis zum Jahr 2023 oder 2024 dauern, bis ärmere Länder Impfdosen erhalten. Und Anja Langenbucher, Europa-Direktorin der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, kritisiert, dass die erste Welt sich mit der drei- bis vierfachen Menge an Impfstoffen eindeckt, die sie zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich benötigen würden. Sie würden sich überversorgen.

Reiche Länder haben Impfstoffe finanziert

Allerdings gehören zu den Ländern, die den Impfstoff finanzieren, zum Beispiel die USA und die Europäische Union. Sie sind derzeit auch am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffen, sagt Volkart Wildermuth. "Aktuell ist Europa das Zentrum der Pandemie." Die Hälfte der Impfdosen seien quasi schon verkauft. Kanada habe neunmal so viel Impfdosen bestellt, wie das Land benötigt, bei Großbritannien seien es dreimal so viele. Das rühre daher, dass diese Länder eine Vielzahl von Verträgen mit Firmen geschlossen hätten, deren Impfstoffe noch nicht alle Prüfungsphasen durchlaufen haben.

"Europa hat schon gesagt: Wenn wir zu viel haben, dann geben wir auch Impfdosen ab."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Die Länder hätten aber nicht einfach für sich allein bestellt. Covax ist ein Zusammenschluss der Impfallianz Gavi und Cepi, eine Organisation die Impfstoffe fördert, und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), was wie eine Art Einkaufsgemeinschaft funktioniert, sagt Volkart Wildermuth. Und zu dieser Alllianz gehören auch arme Länder an. Diese Einkaufsgemeinschaft habe sich schon 700.000 Impfdosen gesichert, sagt Volkart Wildermuth.

Europa und insbesondere Deutschland haben viel Geld in Covax investiert. Covax hatte erklärt, dass es zwei Milliarden US-Dollar für 2020 braucht und dieses Geld sei auch zusammengekommen. Für das kommende Jahr hat Covax angekündigt, dass es fünf Milliarden US-Dollar benötigt, um zwei Milliarden Menschen auf der Welt zu immunisieren, berichtet Volkart Wildermuth.

"Covax braucht noch mehr Geld, damit wirklich auf der ganzen Welt eine Impfung stattfinden kann."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Ursprünglich sollten alle beteiligten Länder gemeinsam die Covax finanzieren. Doch einige Länder haben nun parallel Verträge mit Unternehmen unterzeichnet. Das stehe nun ein wenig in Konkurrenz zur ursprünglichen Idee, sagt der Wissenschaftsjournalist. Eine Reihe von Entwicklungsorganisationen geht davon aus, dass Covax noch weitaus größere Mittel benötigen wird. Die WHO organisiere diese zusammen mit Gavi und Cepi.

Aus Fehlern bei HIV lernen

Volkart Wildermuth hält es für praktikabel, dass erst einmal alle Länder für drei Prozent der Bevölkerung, die Risikopatienten und das medizinische Personal Impfdosen erhalten. Dass soweit geimpft wird, bis ein normales Leben wieder stattfinden könne.

Dann sei es aber an der Zeit, dass der Impfstoff breit verteilt werde, weil sonst eine Situation eintreten könne wie bei HIV. Da gab es 1996 wirksame Medikamente für die reichen Ländern, "dann ist HIV vom Radar verschwunden und das ist ein Grund, warum wir bis heute mit HIV zu kämpfen haben", so der Wissenschaftsjournalist.