Für Menschen unter 60 Jahre mit einer Erstimpfung von Astra-Zeneca steht gerade eine Kreuzimpfung im Raum. Nachdem die Datenlage dazu erst gering war, gibt es mittlerweile mehrere Zwischenergebnisse von Studien. Danach soll eine Kreuzimpfung wohl sicher und wirksam sein.

Nachdem die Ständige Impfkommission (Stiko) Ende März empfohlen hat, die Vakzine von Astra-Zeneca wegen seltener Nebenwirkungen nur für Menschen ab 60 Jahre zu verimpfen, kam die Frage auf, wie es für alle unter 60-Jährigen mit einer Erstimpfung von Astra-Zeneca weitergehen könnte. Die Stiko hat für sie eine Kreuzimpfung mit einem mRNA-Impfstoff vorgeschlagen. Die Datenlage dazu war aber dünn und viele Geimpfte verunsichert.

Heute deuten Daten von mehrere Forschungseinrichtungen darauf hin, dass es mit der Wirksamkeit und Verträglichkeit der Kreuzimpfung gut aussieht. Dazu gibt es etwa Daten aus Spanien, Großbritannien und von der Charité in Berlin. Bislang haben die Forschungseinrichtungen allerdings erst Zwischenergebnisse veröffentlicht. Außerdem sind die Studien zum Teil noch nicht durch andere Forschende begutachtet.

Kreuzimpfung schneidet gut ab

Ihre Ergebnisse deuten aber in die gleiche Richtung. Danach ist eine Kreuzimpfung ähnlich gut verträglich wie zwei Biontech-Impfungen. Zudem soll die kombinierte Impfung einen mindestens gleich guten Schutz haben.

Die Forschenden konnten bei Menschen mit dieser Kombination aus zwei Impfstoffen mehr Antikörper in ihrem Blut nachweisen als bei Geimpften, die zwei Mal dieselben Vakzine bekommen haben. Zudem haben die Immunzellen im Blut der Testpersonen – zumindest im Labor – besser auf das Coronavirus reagiert.

"Die Wirksamkeit ist mindestens genauso gut, wenn nicht sogar noch besser, wenn man eine Kombi verimpft, also erst Astra-Zeneca und dann Biontech."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk Nova

Dieser Effekt könnte daran liegen, so vermuten die Forschenden, dass die Impfstoffe das Immunsystem auf unterschiedliche Weise anregen und sich ergänzen. Als Vektorimpfstoff sorgt das Vakzin von Astra-Zencea für eine erhöhte Produktion von T-Zellen im Körper. Durch den mRNA-Impfstoff von Biontech produziert der Körper mehr Antikörper. T-Zellen wiederum begünstigen die Produktion von Antikörpern.

Das heißt: Sind durch das Astra-Zeneca-Vakzin viele T-Zellen im Körper, verstärken die nach der Zweitimpfung mit dem Biontech-Impfstoff die Produktion von Antikörpern.

"Allerdings sagen die Forschenden auch, dass nur die Zahl der Antikörper nicht unbedingt etwas darüber aussagt, ob man dann in der Realität auch besser geschützt ist", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Inga Gebauer. Denkbar sei laut der Forschenden auch, dass die Zahl der Antikörper mit der Zeit wieder abnehmen könne.

Kurzfristige Nebenwirkungen ähnlich moderat

Was die Nebenwirkungen direkt nach der Impfung angeht, zeichnen die Daten unterschiedliche Bilder. In der Studie der Berliner Charité zum Beispiel reagierten zwei Gruppen von Testpersonen etwa gleich schwer. Die eine Testgruppe hatte zwei Impfungen von Biontech, die andere Gruppe hatte eine Kreuzimpfung, also erst Astra-Zeneca und dann Biontech.

Bei den Untersuchungen aus Spanien und Großbritannien zeigten Menschen nach einer Kreuzimpfung hingegen öfter Nebenwirkungen wie Schüttelfrost, Kopfschmerzen oder Fieber als nach einer Impfung mit demselben Impfstoff. In Großbritannien zum Beispiel hatten 60 bis 80 Prozent der Testpersonen Nebenwirkungen. Diese waren allerdings moderat und nach kurzer Zeit ohne weitere Komplikationen wieder verschwunden.

Die Forschenden der Charité vermuten, ein Grund für diesen Unterschied könne der zeitliche Abstand der beiden Impfungen sein. In der deutschen Studie sei dieser länger gewesen als in den beiden anderen Ländern.