Forschende aus den USA vergleichen die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff mit einem Bootcamp für Immunzellen. Laut den Forschenden werden die Immunzellen durch die mRNA-Methode so gut trainiert, dass sie sehr effektive Antikörper bilden.

Mit den Corona-Impfstoffen der Hersteller Moderna und Biontech/Pfizer kam zum ersten Mal auch die mRNA-Methode zum Einsatz. Was wir seitdem wissen: Die Impfstoffe beider Hersteller haben eine Wirksamkeit von über 90 Prozent. Sie schützen also sehr gut vor einem schweren Krankheitsverlauf von Covid-19.

Was die mRNA-Methode so wirksam macht, hat jetzt ein Team aus Forschenden der Washington University School of Medicine und des St. Jude Children's Research Hospital Memphis am Beispiel des Impfstoffs von Biontech/Pfizer untersucht. Genauer haben sie sich bei 15 Probanden angesehen, welche Zellen aktiv werden, damit wir lange geschützt sind.

Die Immunantwort nach der Impfung

Lassen wir uns mit den mRNA-Impfstoffen impfen, bildet unser Körper verschiedene Arten von Immunzellen. Zum Beispiel bestimmte T-Zellen und B-Zellen.

    Diese Immunzellen wandern aus dem Blut und der Lymphflüssigkeit in die Lymphknoten. Dort bilden sich wiederum Keimzentren. Die Forschenden nennen die Keimzentren auch Bootcamp für die B-Zellen.

    Trainieren für die beste Leistung

    Bootcamp deshalb, weil die B-Zellen in den Keimzentren auf spezielle T-Helferzellen treffen. Die haben die Aufgabe, die B-Zellen zu trainieren – ähnlich wie ein Fitnesscoach, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Polke.

    Dafür präsentieren die T-Helferzellen den B-Zellen immer wieder das Virus-Antigen. Als Reaktion darauf bilden die B-Zellen Antikörper, die spezifischer sind und länger anhalten, damit wir einen besseren Schutz vor dem Virus haben. In unserer Sportanalogie sind die B-Zellen vergleichbar mit Leistungssportler*innen, die durch ihre Coaches mehr und härter trainiert werden, damit sie eine besser Leistung bringen.

    "Du kannst dir diese T-Zellen wie einen Fitnesstrainer vorstellen, der die B-Zellen anspornt und sagt: 'Hier, das ist der Feind, dagegen musst du Antikörper herstellen'."
    Julia Polke, Deutschlandfunk Nova

    Zusätzlich wird in den Keimzentren sortiert: Bilden B-Zellen hochwirksame Antikörper, dann werden sie vermehrt. Und B-Zellen, die weniger wirksame Antikörper bilden, werden entfernt.

    Besonders lang anhaltenden Immunantwort

    Mit ihrer Analyse konnten die Forschenden zeigen, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer diese mRNA-Methode für eine besonders lang anhaltende Immunantwort sehr gut stimulieren kann.

    In einem nächsten Schritt möchten sie untersuchen, ob eine Boosterimpfung diesen Prozess verstärkt. Sie möchten auch der Frage nachgehen, ob Menschen mit Immunschwäche möglicherweise nicht so leistungsfähige Keimzentren und follikuläre T-Helferzellen in den Lymphknoten bilden können. Das wäre eine mögliche Erklärung dafür, warum die Immunantwort von Menschen mit einer Immunschwäche nach einer Corona-Impfung schwächer ist als von gesunden Menschen.