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Testpflichten an Schulen werden gelockert, Maskenpflichten abgeschafft: Für einige Schülerinnen und Schüler geht es langsam wieder in die Normalität zurück. Auch Auszubildende sollen bald wieder in die Berufsschulen zurück. Gerade über sie wurde während der Pandemie wenig berichtet - und das, obwohl gerade in vielen Ausbildungsberufen die Lehre über Distanz schwierig ist.

Endlich wieder in die Schule - das dürften sich viele Berufsschülerinnen und -schüler denken. Denn gerade die Inhalte, die praktisch vermittelt werden, blieben im Pandemiejahr oftmals auf der Strecke.

"Deutschlandweit fand etwa 60 Prozent des Berufsschulunterrichts digital statt und etwa 40 Prozent in Präsenz."
Joachim Maiß, Bundesvorsitzender der Lehrkräfte in der beruflichen Bildung

Joachim Maiß ist Bundesvorsitzender der Lehrkräfte in der beruflichen Bildung. Er meint: Vor allem die handwerklichen Berufszweige der Berufsschulen hatten während der Pandemie erhebliche Probleme.

Wenig Lernerfolg ohne Praxis

Er selbst leitet eine Multimedia-Berufsschule in Hannover an der unter anderem Veranstaltungstechnikerinnen und -techniker ausgebildet werden. Doch ohne Mischpult und ohne Lampen tatsächlich aufzuhängen und einen Raum exakt auszuleuchten, wird es schwierig, den Schülerinnen etwas beizubringen.

"In einigen Jahren werden wir diese Inhalte vielleicht über AR und VR-Technik vermitteln können, aber zum heutigen Zeitpunkt brauchen wir einfach die Livesituation in der Schule, wo der Lehrer dem Schüler das zeigt, ihm die Materialien in die Hand gibt und er wirklich haptisch damit arbeitet."
Joachim Maiß, Bundesvorsitzender der Lehrkräfte in der beruflichen Bildung

Ein Vorteil für viele Auszubildende könnte aber gewesen sein, dass sie mehr Zeit hatten, für ihre Prüfungen zu lernen. Schließlich konnten viele nicht in den Betrieben vor Ort arbeiten.

Nur wenig Schutzmaßnahmen ergriffen

Nach den Sommerferien könnte es aber für die meisten wieder in den Präsenz-Unterricht und in die Betriebe gehen. In Niedersachsen wird es aber beispielsweise wohl eine Test-Pflicht in den ersten vier Wochen geben - damit niemand das Virus aus dem Urlaub mit in die Schulen trägt.

Joachim Maiß kritisiert allerdings, dass nur wenig Schutzmaßnahmen für die Schülerinnen und Schüler ergiffen wurden. So meinen etwa viele Kulturminister, Luftfilteranlagen hätten gegenüber dem normalen Lüften keinen Mehrwert. Das sieht der Bundesvorsitzende der Lehrkräfte in der beruflichen Bildung anders.

"Alle Gutachten die uns vorliegen, machen deutlich, dass es für einen sicheren Schulbetrieb nach den Sommerferien dringend notwendig ist, die nächsten drei Monate dafür zu nutzen, alle Klassenräume mit den notwendigen Luftfilteranlagen auszurüsten."
Joachim Maiß, Bundesvorsitzender der Lehrkräfte in der beruflichen Bildung

Neben Schutzmaßnahmen fehlte einigen Azubis auch der Zugang zu für den Online-Unterricht notwendigen Computerprogrammen, wie etwa Word oder Power Point. Sollte es nach den Sommerferien doch wieder in den Digital-Unterricht gehen, so müssten die nötigen Programme von den Schulen gestellt werden, findet Azubi Lukas.

Für ihn war der Online-Unterricht im vergangenen Jahr oft mühsam - und er ließ viele Inhalte schleifen. Eines wird er aber dennoch vermissen, wenn es wieder zurück in die Berufsschule geht: In Jogginghose und mit leckerem Kaffee im Unterricht sitzen.