Es ist noch nicht lange her, da beschwerte sich die Bundesregierung, dass die USA ausländischen Studierenden Visa verweigern wollten, wenn sie in der Corona-Krise nur Online-Kurse belegen. Jetzt kommt heraus: Deutschland macht es nicht viel anders.

"Wissenschaft und Forschung leben vom internationalen Austausch, auch in Zeiten der Pandemie", sagte Bildungsministerin Anja Karliczek als Reaktion auf die Entscheidung der US-Regierung, ausländische Online-Studierende doch nicht auszuweisen.

Nun stellt sich heraus: Deutschland macht es ähnlich. Zwar gibt es keine Ausweisungen, aber ausländischen Studierende, die an der Uni keine Präsenz-Seminare haben, soll die Einreise verboten werden.

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Für betroffene Studierende, die im Wintersemester ihr Studium in Deutschland beginnen wollen, könnte das zum Problem werden – und zwar dann, wenn der Studiengang ins Netz verlegt wird, sagt Martin Schmidt aus dem ARD-Hauptstadtstudio.

Studierende müssen Präsenz-Studium nachweisen

Studierende, die jetzt einreisen wollen, um ihr Studium aufzunehmen, müssen beim Visumsantrag und bei der Grenzkontrolle nachweisen, dass es an ihrer Uni auch Präsenz-Seminare gibt, so Martin Schmidt.

"Studierende, die einreisen wollen, um ihr Studium zu beginnen, müssen beim Visumsantrag und bei der Grenzkontrolle nachweisen, dass es für sie auch Präsenz-Seminare an der Uni gibt."
Martin Schmidt, ARD-Hauptstadtstudio

Das Budesinnenministerium berufe sich in der Sache auf geltendes EU-Recht. Demnach dürfen Arbeitnehmer aus Drittstaaten nur dann einreisen, wenn sie für ihrer Arbeit zwingend vor Ort sein müssen, so Martin Schmidt. Rein digitale Studiengänge würden außerdem keine physische Präsenz in Deutschland erfordern.

Der Bundesverband der ausländischen Studierenden hält dagegen: Präsenz erfordere alleine schon der Gang in die Bibliothek für die notwendige Literatur, die im Ausland nicht zu beschaffen sei.

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Von den Regelungen ausgenommen seien ausländische Studierende, die ihr Studium bereits vor der Corona-Krise begonnen haben und im Besitz eines sogenannten Aufenthaltstitels sind, sagt Martin Schmidt. Die Wiedereinreise nach einem Heimatbesuch ist somit weiterhin möglich.

Allerdings gebe es Fälle, in denen Studierende im Ausland bereits ein Visum für Deutschland erhalten haben, doch um den Aufenthaltstitel zu bekommen, müssten auch sie Präsenz-Seminare nachweisen.

Ausländische Studierende: Fachkräfte und Botschafter


Wie viele Studierende betroffen seien, sei schwer zu ermitteln. Viele Unis würden zwar eine Mischform von Präsenz- und virtuellen Seminaren anstreben, doch je nach Infektionsgeschehen könne sich das schnell wieder ändern.

Eine Änderung der Regelung ist laut Bildungsministeriums derzeit nicht geplant, alles hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab, sagt Martin Schmidt.

"Der Deutsche Akademische Austauschdienst verweist darauf, dass die Studierenden auch unsere zukünftigen Fachkräfte sein können und davon brauchen wir in vielen Bereichen eine Menge."
Martin Schmidt, ARD-Hauptstadtstudio

Der Deutsche Akademische Austauschdienst kritisiert, dass Deutschland Gefahr laufe, mit einer solchen Regelung nicht nur mögliche zukünftige Fachkräfte zu verlieren, sondern auch kleine Botschafter, die ihre Erinnerungen an unser Land und unsere Kultur nach außen tragen.