Die Gesundheitsminister und -ministerinnen von Bund und Ländern empfehlen Booster-Impfungen für alle. Und eine Umfrage zeigt, dass rund 78 Prozent der Geimpften bereit sind für eine Auffrischung des Corona-Schutzes. Damit ist fast alles klar.

Der Großteil der bereits gegen Corona Geimpften in Deutschland ist bereit für eine Booster-Impfung, so das Ergebnis des European COvid Surveys (ECOS). Diese repräsentative Befragung wird seit April 2020 regelmäßig vom Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg durchgeführt. Befragt werden Menschen in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Portugal.

Booster-Impfung nicht nur ab 70

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat bereits eine Empfehlung ausgesprochen, dass sich über 70-Jährige ein drittes Mal impfen lassen sollen. "Aber wir werden sehen, dass in der nächsten Zeit die Hausärzte sicherlich auch die Altersgruppe darunter impfen werden", sagt Jonas Schreyögg. Er ist wissenschaftlicher Direktor des Hamburg Center for Health Economics und hat an der Umfrage mitgearbeitet.

"Die Empfehlung der STIKO zeigt eben: Besonders wichtig ist es, dass die über 70-Jährigen sich impfen lassen", sagt Jonas Schreyögg. Das heiße aber nicht, dass es für die Jüngeren nicht sinnvoll ist, sich boostern zu lassen.

Hinzu komme, dass es mittlerweile genug Impfstoff gebe. Zu Beginn der Impf-Kampagne war der Impfstoff knapp und es gab eine Priorisierung. Das sei jetzt anders, so der Gesundheitsökonom.

"Jetzt haben wir ausreichend Impfstoff."
Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor des Hamburg Center for Health Economics

Jonas Schreyögg fordert aber auch, dass in der Öffentlichkeit stärker für die Booster-Impfung geworben wird. Studien zeigten, dass sich durch eine weitere Impfung die Risiken deutlich verringern lassen. "Damit müssen wir stärker an die Öffentlichkeit gehen", sagt Jonas Schreyögg.

Informieren und werben für den Booster

Der erste Schritt für mehr Öffentlichkeit war das Treffen der Gesundheitsminister und -ministerinnen von Bund und Ländern am 5. November, so Jonas Schreyögg. Im nächsten Schritt brauche es eine Kampagne, um über die Booster-Impfung zu informieren und dafür zu werben. "Um möglichst viele Leute dazu zu bewegen, diese Booster-Impfungen in Anspruch zu nehmen", sagt Jonas Schreyögg.

Die Vorteile einer Booster-Impfung sind für den Gesundheitsökonom klar: Vor allem in einer hohen Altersgruppe kann eine Impfung das Risiko einer Infektion sowie Hospitalisierung erheblich verringern. In einer mittleren Gruppe kann die Hospitalisierung sogar auf null gedrückt werden. "Das ist es wert, sich boostern zu lassen."

Boostern und Impfstoff teilen

Ein Argument gegen das Boostern ist, dass der Impfstoff weltweit ungerecht verteilt ist und in manchen Ländern die Impfraten sehr gering sind. In der European COvid Surveys (ECOS) wurde auch nach diesem Aspekt gefragt.

Viele der Befragten sagten, dass 50 Prozent der vorhandenen Reserven gespendet werden sollen und zwar über COVAX. Diese Initiative wurde gegründet, um weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen zu gewährleisten. 50 Prozent der Reserven sollten für Impfungen in Deutschland verwendet werden, eben auch für Booster-Impfungen. "Viele votieren hier für den Mittelweg", sagt Jonas Schreyögg.

  • Kurz und Heute
  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor des Hamburg Center for Health Economics