Einmal im Ausland studieren – das steht auf der Liste einiger Studierenden und ist oft für das Studium nötig. Durch die Pandemie kommen viele aber nicht ins Ausland und müssen von zuhause aus studieren. Wie sich das anfühlt, erzählen Eyleen und Daniel.

Eyleens Tag beginnt um 5 Uhr morgens. Die 24-jährige Studentin aus Schwetzingen studiert Japanologie und ist gerade an ihrer Gastuniversität in Tohoku in Japan eingeschrieben. Allerdings darf Eyleen durch die Corona-Pandemie aktuell nicht einreisen, daher studiert sie von ihrem Zuhause aus in Deutschland und nimmt digital an den Vorlesungen in Japan teil.

"Ich muss sagen, obwohl es schon das ganze Semester so läuft, habe ich mich noch nicht wirklich daran gewöhnt."
Eyleen, studiert Japanologie

"Das tatsächliche Leben findet hier statt", sagt Eyleen, und meint damit: hier in Deutschland. In ihren digitalen Kursen an der japanischen Uni mussten zwar alle die Kameras anschalten – so konnte man sich zumindest sehen. Wirkliche Freundschaften sind bisher aber nicht entstanden. Ihre Kontakte mit anderen Kommilitonen beschränken sich weiter auf Gruppenarbeiten während den Seminaren.

"Ich studiere Japanologie, natürlich möchte ich dann die Alltagssprache lernen, alles Mögliche in die Richtung, die Kultur direkt kennenlernen – und das geht jetzt natürlich online gar nicht."
Eyleen, befindet sich gerade in ihrem Auslandssemester

Zwar hat Eyleen Kurse auf Japanisch, aber das sei eben das Schulbuch-Japanisch, sagt sie. Aktuell ist sie im Austausch mit der Partner-Uni in Japan und hofft, dass sie auch das Wintersemester bleiben kann. Dann wäre es vielleicht doch möglich, das Auslandssemester vor Ort zu verbringen.

Daniel hofft auf zwei weitere Auslandssemester – mit ihm in Kanada

"Wie ein Podcast nebenbei", so beschreibt Daniel sein Auslandssemester remote. Er ist 20 Jahre alt, studiert an der European Business School in Oestrich-Winkel – und sollte sich eigentlich gerade in Kanada befinden. Nun sitzt Daniel bei seinen Eltern bei Aschaffenburg und studiert von dort.

Dabei hatte Daniel sein Auslandssemester schon umorganisiert: Er wollte erst in China studieren. Dann kam die Corona-Pandemie und er hat sich entschieden, nach Kanada zu gehen. Aber das ging auch schief.

"Man kann es kaum Auslandsstudium nennen, es war schon etwas anderes."
Daniel, ist an einer kanadischen Uni eingeschrieben

Anders als bei Eyleen, machen Daniels Kommilitonen leider auch nicht die Kameras an. So hört er jeden Tag einfach nur zu – daher kommt ihm auch alles wie ein Podcast nebenbei vor. Der Kontakt zu den anderen Studierenden, neben den Vorlesungen, fehlt auch bei Daniel komplett. Sich zu motivieren, sei daher wirklich schwierig, sagt er.

"Der Kontakt zu anderen Leuten hat halt komplett gefehlt, vor allem zu den Studenten dort."
Daniel hat drei Auslandssemester geplant

Früh aufstehen musste Daniel nicht, durch die Zeitverschiebung finden seine Vorlesungen nachmittags bis in den Abend hinein statt. Eines hat er allerdings herausgefunden: Mitten in der Nacht lässt es sich nicht so gut konzentrieren bei Klausuren. "In Finanzen hatten wir eine Vorlesung, die ging später. Da haben wir auch Klausuren um zwei Uhr nachts, halb ein Uhr nachts, angefangen", erzählt Daniel.

Auch Daniel will sein Auslandssemester im Ausland beenden: Er hat ganze drei Semester in Kanada geplant und möchte im September dorthin fliegen und die letzten beiden Semester bis Juni vor Ort zu verbringen.