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Ihr habt Weihnachten mit der Familie gefeiert, und jetzt plagt euch das schlechte Gewissen? Weil ihr doch ein bisschen Halskratzen hattet, das aber niemandem gesagt habt? Dann ist es vor allem wichtig, jetzt Verantwortung zu übernehmen, meint Psychotherapeutin Denise Ginzburg-Marku.

War es richtig, sich zu treffen? Haben wir alle Maßnahmen gut eingehalten? Die Corona-Pandemie und die Feiertage sind für viele mit Sorgen und Ängsten verbunden. Und manchmal vielleicht auch mit einem schlechten Gewissen - dann nämlich, wenn wir etwas getan haben, das uns im Nachhinein Sorgen bereitet. Weil es vielleicht nicht ganz richtig war.

Psychotherapeutin Denise Ginzburg-Marku meint, wir sollten unterscheiden zwischen Sorgen und Ängsten, die wir alle in dieser Zeit kennen - und zwischen einem schlechten Gewissen, das anzeigt, dass wir eine Regel verletzt haben.

Ist das der Fall, müssten wir uns fragen: Welchen Teil der Verantwortung trage ich? Was kann ich jetzt tun?

"Wenn ich sage, ich habe alles gemacht, was in meiner Macht steht, das Risiko zu minimieren, dann sind das keine Schuldgefühle, sondern Ängste, die wir alle in der Corona-Situation haben."
Denise Ginzburg-Marku, Psychotherapeutin

Denise Ginzburg-Marku sagt, Ängste haben wir vor allem deshalb, weil wir wissen, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt, egal wie sehr wir uns bemühen. Schuldgefühle können entstehen, wenn ich mir beispielsweise im Nachhinein eingestehen muss: Ja, doch, ich hatte leichten Schnupfen, ich hatte Halskratzen aber es niemandem gesagt. Diese Schuldgefühle seien dann angemessen.

Verantwortung übernehmen und handeln

Es sei die wichtigste Regel, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Ihr könnt zum Beispiel versuchen, euren Fehler auszubügeln, indem ihr euch testen lasst. Oder indem ihr die Sache proaktiv bei den Verwandten ansprecht. Denn Verantwortung zu übernehmen heißt auch, sich zu fragen, wie man das Fehlverhalten wieder gut machen könnte.

"Schuldgefühle zeigen einem, es gibt eine Regel oder eine Norm, die ich verletzt habe."
Denise Ginzburg-Marku, Psychotherapeutin

In Bezug auf die Corona-Pandemie sei es verantwortungsvoll zu verhindern, dass sich die Erkrankung weiter ausbreitet - und man mit Familie, Freunden oder Verwandten offen spricht.

Grundsätzlich, sagt die Psychotherapeutin, seien Schuldgefühle normal. Jede und jeder habe immer mal wieder Schuldgefühle. Problematisch werde es, wenn wir uns immer wieder und lange schuldig fühlen. Dann sollten wir das ernst nehmen. Schuld bedeute immer einen Blick zurück, in die Vergangenheit. Solche Gedanken andauernd durchzuspielen können im schlimmsten Fall in Depressionen münden, so Denise Ginzburg-Marku.