Die Corona-Pandemie hat Studierende in eine neue Lernsituation geworfen. Seitdem heißt es für sie: durchhalten, bis die Hochschulen wieder öffnen. Vielen fällt es aber schwer, alleine zu Hause zu sitzen und zu studieren. Die Studis Nora und Simon erzählen, was ihnen jetzt hilft.

Zwei Semester haben Studierende mittlerweile digital vor dem Bildschirm verbracht statt im Hörsaal. Einige von ihnen hat das erste Corona-Semester zu Beginn der Pandemie schon belastet, wie eine Online-Befragung der Universität Hildesheim zeigt. Das Gefühl der Isolation trifft bei vielen von ihnen auf wenig Motivation, ihr Studium von zu Hause aus weiter durchzuziehen.

Mehr Leistungsdruck

Ähnlich belastend nimmt auch Nora die aktuelle Situation wahr. Sie studiert im dritten Semester Psychologie an der Uni Köln. Bisher hat ihr Studium wegen der Corona-Pandemie nur online stattgefunden. Seitdem klickt sie sich von einer Videokonferenz zur nächsten und bekommt dadurch das Gefühl, die Kurse und ihre Inhalte würden ineinander verschwimmen.

Nora findet auch, dass der Anspruch an die Studierenden in den vergangenen Semestern stark zugenommen hat, wobei kaum beachtet werde, wie sehr die neue Lernsituation die Studierenden psychisch belaste.

"Der Umfang hat sich für manche Fächer extrem erhöht, und das wurde immer mit der Zeit begründet, die man jetzt ja hat. Das bildet natürlich gar nicht ab, wie die Gefühlslage oder Befindlichkeit ist – das war echt schwierig."
Studentin Nora über den gestiegenen Druck in ihrem Psychologie-Studium

Die 20-Jährige möchte ihr Studium daher verlangsamen und im nächsten Semester weniger Kurse belegen. Sie denkt stattdessen über ein Praktikum oder eine Auszeit nach.

Für einen ähnlichen Schritt hat sich auch Simon entschieden. Der 23-Jährige studiert im siebten Semester Geschichte und Politik. Er sagt, dass ihm besonders der persönliche Austausch mit anderen Studis fehlt.

"Allein die fünf Minuten vor Kursbeginn, die man zusammen im Raum sitzt und sich mal eben schnell austauscht, machen schon unheimlich viel aus. Das fehlt alles."
Student Simon fehlt der persönliche Kontakt

Weil ihn das Homelearning belastet, hat er sich dafür entschieden, sich mehr Zeit für seinen Nebenjob zu nehmen und weniger Kurse an der Uni zu belegen. Darüber hat er auch mit der Beratungsstelle seiner Hochschule gesprochen. "Es gab auch viel Bestätigung für meinen Weg. Dass es völlig in Ordnung ist, langsamer zu treten jetzt in dieser Zeit", erklärt Simon.

Motivation fehlt immer öfter

Sich selbst in dieser Zeit zu motivieren, weiterzumachen wie vor der Pandemie, fällt vielen Studis gerade schwer.

Das beobachtet auch Wilfried Schumann, Leiter des psychologischen Beratungsservice der Universität Oldenburg. Er rät den Studierenden einerseits dazu, sich Unterstützung zu holen. Möglich ist das zum Beispiel durch einen Studifreund oder einer festen Gruppe an Kommilitonen, durch die die Studierenden ihr Sozialeben wieder in ihren Alltag zurück bringen.

Mit Lerngruppe mehr soziale Kontakte im Alltag

"Dass man sich morgens, schon bevor man in den Tag arbeitsmäßig hineingeht, ein kleines Treffen macht per Video und sich mit ein, zwei Partnern kurz abstimmt. Was ist heute dran? Wie gehen wir daran? Und sich noch ein bisschen anfeuert", sagt Wilfried Schumann.

Am Abend könnte sich die Gruppe wieder treffen und gemeinsam auf den Tag zurückblicken, sich darüber austauschen. Manche Studis würden die Videokonferenz mit ihrer Gruppe auch über den Tag weiterlaufen lassen, sagt Wilfried Schumann. Das bringe ihnen das Gefühl der sozialen Kontrolle, damit sie eben lernen, statt nebenbei etwas in der Wohnung zu machen.

"Wenn es Unsicherheiten ums eigene Leistungsvermögen gibt, dann würde ich raten, sich da doch eine Chance zu geben und zu gucken, ob man nicht mit Beratung, mit Verbesserung der eigenen Arbeitstrategien da einiges rausholen kann."
Wilfried Schumann, Leiter des psychologischen Beratungsservice der Universität Oldenburg

Zusätzlich empfiehlt er Studis, die mit dem Homelearning hadern, in einer Beratung darüber zu sprechen – wie die der Beratungsstellen der Hochschulen.