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Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt weiter. Auffällig ist vor allem die deutliche Zunahme in jüngeren Altersgruppen. Dabei sind wir doch im Lockdown – wo stecken sich die Menschen also an?

"Die hohen bundesweiten Fallzahlen werden durch zumeist diffuse Geschehen mit zahlreichen Häufungen insbesondere in Haushalten, im beruflichen Umfeld sowie in Kitas und Horteinrichtungen verursacht", heißt es im täglichen Lagebericht des RKI. Und: "Beim Großteil der Fälle ist der Infektionsort nicht bekannt."

"Die Maßnahmen, die bisher gelten, reichen nicht aus. Und sie werden nicht mal überall umgesetzt."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Dass sich die Menschen weiterhin anstecken, liegt daran, dass die Maßnahmen, die bisher gelten, nicht ausreichen, sagt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori. Und dass selbst diese nicht überall umgesetzt werden. Schon Anfang März sei abzusehen gewesen, dass die Zahlen steigen würden, weil sich die britische Virusvariante leichter und schneller verbreitet, als es im letzten Jahr der Fall war. Es habe eindeutige, leicht verständliche Grafiken, gegeben, an denen man sehen konnte: Wenn nicht sofort deutlich gehandelt wird, dann landen wir da, wo wir jetzt sind.

Situation war absehbar

Für viele Fachleute wie etwa Mathematiker, Statistikerinnen, Epidemiologen oder Virologinnen sind die Zahlen keine Überraschung, sagt Christina Sartori. Denn seit März mache ja auch jedes Bundesland, was es will. Einige fahren – auch bei hohen Inzidenzen – eine Öffnungsstrategie. "Wir können ja jetzt viel testen, damit bekommen wir das in den Griff", so die Behauptung. Dass das nicht stimmt, hätten Forschende bereits im März klargestellt.

Hätte man sich Anfang März bundesweit an die beschlossenen Maßnahmen gehalten, wäre es heute einfacher, glaubt Christina Sartori. Denn je früher man beginne, desto mehr bewirkten die Maßnahmen.

"Durch Testen allein senkt man nicht die Zahlen. Das wurde und wird in vielen Gegenden Deutschlands ignoriert von den Politikern."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Dass durch mehr Tests auch mehr Neuinfektionen festgestellt werden, sei zwar nicht falsch, sagt Christina Sartori. Dass die Zahl der Infektionen steigt, liege aber vor allem daran, dass sich das Virus sehr schnell verbreitet und es liege nur sehr, sehr wenig daran, dass mehr getestet wird. Die Positivrate der PCR-Tests steigt von Tag zu Tag, hat RKI-Chef Lothar Wieler erklärt. Von 100 Tests sind inzwischen 12 positiv.

Gesundheitsämter sind überfordert

Bei einer bundesweiten Inzidenz von über 140 sei klar, dass die Ansteckungswege der Menschen nicht präzise zurückverfolgt werden können, sagt die Wissenschaftsjournalistin. Wenn die Inzidenz höher als 50 ist, sind die meisten Gesundheitsämter damit überfordert – das sei seit Monaten klar.

Genau deshalb müsse die durchschnittliche Zahl der Neuinfektionen auch dringend gesenkt werden. Genau das ist aber nicht so einfach, denn wer weiß schon, wo sie oder er sich angesteckt hat? Gestern in der Bahn? Oder beim Friseur? Oder im Großraumbüro? Das weiß man ja selber meistens nicht. Es gibt also keine vollständige, flächendeckende Datenlage.

Harter Lockdown praktisch unumgänglich

Um das exponentielle Wachstum zu bremsen, sei ein harter Lockdown quasi unvermeidbar, sagt Christina Sartori. Vor einem Jahr habe das ja auch geklappt. Damals waren aber auch noch viel mehr Menschen im Homeoffice, die Geschäfte, Schulen und Kitas waren zu. Jetzt ist das nicht mehr so. Und: Jetzt ist das Virus ansteckender als vor einem Jahr. Die Maßnahmen müssen also mindestens so hart und einschneidend sein wie vor einem Jahr, sagt die Wissenschaftsjournalistin.

"Um das exponentielle Wachstum zu bremsen, ist ein harter Lockdown nötig. Und weil das Virus ansteckender ist als vor einem Jahr, müssen die Maßnahmen mindestens so hart sein wie 2020."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Länder, die es trotz der britischen Variante geschafft haben, die Zahlen drastisch zu senken, seien etwa Großbritannien und Portugal. Dort habe es nämlich einen wochenlangen sehr harten Lockdown gegeben: Alles war zu, es gab Ausgangssperren rund um die Uhr.