Manche Straftaten haben einen direkten Corona-Bezug. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat deshalb ein spezielles Dezernat eingerichtet. Das untersucht zum Beispiel ein mysteriöses Paket an den Bürgermeister.

Betrüger und andere Kriminelle suchen bekanntlich immer neue Gelegenheiten, um an Geld zu kommen. Und die Corona-Pandemie bietet da offenbar zahlreiche Möglichkeiten.

Corona-Sonderdezernat

Das zeigt sich anhand von Daten der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Die verzeichnet ein erhöhtes Aufkommen an Straftaten, die eindeutig mit der Pandemie zusammenhängen. Deshalb hat sie ein eigenes Dezernat eingerichtet, das sich genau damit beschäftigt: das Corona-Sonderdezernat.

Hier werden Corona-Straftaten fokussiert behandelt, sagt Oberstaatsanwalt Robert Hartmann. In der Regel sei es relativ einfach einzuschätzen, ob eine (mögliche) Straftat mit der Corona-Pandemie zusammenhängt oder nicht.

"Es gibt neue Deliktsfelder, die wir so vorher gar nicht erwartet haben."
Robert Hartmann, Oberstaatsanwalt in Darmstadt

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt, aber auch andere Behörden, registrieren Delikte wie diese:

  • Was früher der Enkeltrick war, ist heute modifiziert: Vor allem älteren Menschen wird von Betrügern eine Corona-Erkrankung vorgespielt und darum gebeten, die Arztkosten zu bezahlen.
  • Die Betrüger hinter Phishing-Mails greifen traditionell aktuelle Themen auf, um Menschen zu einer bestimmten Handlungs zu bewegen. Zum Beispiel: Um mit einer Bank trotz der Corona-Regeln persönlich in Kontakt zu bleiben, sei das Anmelden bei einem bestimmten Portal nötig ("Bitte klicken Sie hier").
  • Finanzielle Corona-Soforthilfen werden beantragt, obwohl es der entsprechenden Person gar nicht zusteht. "Da gibt es leider Fälle, in denen Gelder erschlichen wurden", sagt Oberstaatsanwalt Robert Hartmann.
  • An den Darmstädter Oberbürgermeister wurde ohne Absender ein Paket gesandt, das zahlreiche gebrauchte Masken enthielt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte daraufhin wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Eine Überprüfung hat ergeben, dass die Masken nicht (mehr) kontaminiert sind.
  • Körperverletzungsdelikte entstehen auch dann, wenn es Streit um das Tragen von Masken gibt – wenn etwa jemand trotz Maskenpflicht keine Maske tragen will.
  • Manchmal geht es um einfache Dinge wie: Abstände werden nicht eingehalten. Die Staatsanwaltschaft muss sich deshalb jetzt auch vermehrt mit dem Infektionsschutzgesetz beschäftigen. Robert Hartmann: "Damit hatten wir vorher gar nicht viel zu tun."

Insgesamt weniger Kriminalität

Dass es neue, coronaspezifische Delikte gibt, heißt aber nicht, dass die Kriminalität insgesamt angestiegen ist. Das Gegenteil ist der Fall. Zahlen aus Nordrhein-Westfalen zeigen: Je mehr das öffentliche Leben insgesamt eingeschränkt ist, desto weniger Kriminalität gibt es: Zwischen März und Juni 2020 wurden 23 Prozent weniger Delikte registriert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.