Viele Antikörper im Blut zu haben, bedeutet nicht unbedingt, dass wir gut gegen einen schweren Verlauf von Covid-19 geschützt sind. Antikörpertests liefern uns keine ausreichenden Hinweise darauf, ob wir eine Booster-Impfung benötigen oder nicht.

Booster-Impfungen sind in aller Munde und viele fragen sich, ob sie eine benötigen. Vielleicht seid ihr auch schon an einer Apotheke vorbeigekommen und habt gesehen, dass sie Antikörpertest anbieten. Eine gute Idee? Eher nicht, sagt unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthias Wurms. Antikörpertests seien keine verlässliche Entscheidungshilfe bei der Frage, ob wir uns schon die Booster-Impfung abholen sollen.

"Antikörpertest: Ja oder nein? Also, wenn du genau wissen willst, ob du eine Booster-Impfung brauchst – dann ist die Antwort: Nein."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Das liege daran, dass ein Antikörpertest zwar verraten kann, ob unser Körper schon einmal Antikörper gebildet hat, das heißt, ob der Getestete bereits infiziert war oder geimpft ist. Der Test kann auch eine Aussage darüber machen, wie hoch die Konzentration von Antikörpern in unserem Blut ist.

Allerdings gibt es bisher keinen verlässlichen Wert, der bestimmt, wie hoch diese Konzentration sein muss, damit eine Person vor einem schweren Verlauf geschützt ist, wenn sie an Covid-19 erkrankt. Denn vor allem darum ginge es, wenn wir uns impfen lassen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthias Wurms.

Was genau ein Antikörpertest aussagt

Der Antikörpertest bestimmt die Konzentration der sogenannten "binding antibody units", kurz BAU, im Blut. Liegen diese pro Milliliter unter 21,8, dann ist kein messbarer Schutz durch Antikörper mehr da, sagt Andreas Bobrowski, der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Laborärzte.

Aktive T-Zellen können Genesene schützen

In solch einem Fall kann es aber trotzdem sein, dass wir geschützt sind. Denn unser Immunsystem hat noch andere Möglichkeiten sich zu schützen. Dazu gibt es Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass Genesene ohne Antikörper trotzdem einen Schutz haben, weil sie aktive T-Zellen besitzen, die das Virus bekämpfen.

Und: Bisher ist noch gar nicht bekannt, ab welcher Konzentration von Antikörpern der Schutz ausreichend ist, fasst Matthias Wurms den bisherigen Stand der Wissenschaft zusammen.

RKI schätzt Antikörpertests als zu vage ein

Ab 1.000 BAU pro Milliliter sei der Schutz gut – das ist eine Faustregel an der man sich zurzeit noch orientiere, sagt Matthias Wurms. Allerdings sei das wirklich nur eine Faustregel. Aber selbst wenn diese Konzentration an Antikörpern im Blut nachgewiesen werde, schade die Booster-Impfung nicht.

Das Robert-Koch-Institut schätzt die Antikörpertests insgesamt als zu vage und ungenau ein und spricht daher keine Empfehlung für einen Antikörpertest vor einer Auffrischungs-Impfung aus.

Hinweis darauf, ob die Impfung angeschlagen hat

Ein Antikörpertest kann einen Hinweis darauf geben, ob eine Impfung gegen das Coronavirus angeschlagen hat. Das sei vor allem für diejenigen wichtig, die anfällig für Infekte sind. Und auch für diejenigen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Ansonsten besteht keine Notwendigkeit für einen Antikörpertest, so die bisher geltende Einschätzung.

Der Virologe Christian Drosten geht allerdings noch einen Schritt weiter: Er glaubt, dass Antikörpertests auch gefährlich sein könnten, weil sie womöglich irreführend sind. Denn die Antikörpertests können auch vergangene Infektionen mit anderen ungefährlicheren Varianten aus der Familie der Coronaviren anzeigen, bei denen es sich nicht um Sars-CoV-2 handelt.

Antikörper können einen Schutz vor unterschiedliche Coronaviren bedeuten

Das könnte bedeuten, dass wir uns in Sicherheit wiegen, weil ein Test Antikörper nachgewiesen hat. Allerdings sind das möglicherweise Antikörper, die sich gegen Coronaviren richten, die 'nur' eine Erkältungskrankheit auslösen, aber nicht einen schweren Verlauf bei Covid-19 verhindern würden.

Was ein Antikörpertest kostet

Wer einen Antikörper-Selbsttest für zu Hause kaufen möchte, zahlt ungefähr 40 Euro. Bei einem Hausarzt kostet dieser Test mindestens 15 bis 20 Euro, wobei die günstigeren nur anzeigen, ob Antikörper vorhanden sind, aber nicht in welcher Konzentration sie vorliegen. Das bringe also nicht viel, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthias Wurms.

Wer ein genaueres Ergebnis haben möchte, sollte sich für einen Labortest entscheiden, der ungefähr 70 Euro kostet. Hier muss man auch eine gewisse Wartezeit einrechnen, bis das Ergebnis vorliegt. Wenn ein Hausarzt oder eine Hausärztin diesen Test anordnet, übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten dafür.

Viele Mediziner*innen sprechen sich allerdings dafür aus, die Kapazität der Labore für PCR-Tests zu nutzen. Und möchten die Zeit, in der sie praktizieren, auch lieber für Impfungen aufwenden, statt Antikörpertests durchzuführen.