Seit den Corona-Kontakverboten ist Sexarbeit de facto verboten. Während einige Bundestagsabgeordnete fordern das auszuweiten, hält der Berufsverband dagegen: Prostitution sei auch unter Einhaltung eigener Hygieneregeln möglich.

Seit den umfassenden Kontaktbeschränkungen kann ein großer Teil der Sexarbeiter*innen die Arbeit nicht mehr ausführen. Möglich waren bisher im Prinzip zumeist digitale oder telefonische Leistungen. Eine Gruppe von 16 Bundestagsabgeordneten aus Union und SPD fordert in einem Schreiben an die Regierungschefs der Länder, dass dies auch weiterhin so bleibt. Zum einen geht es ihnen dabei um das Infektionsrisiko, zum anderen um ein generelles Verbot der Prostitution nach schwedischem Vorbild.

"Verbot durch die Hintertür"

Johanna Weber ist Sprecherin des Berufsverbandes. Aus ihrer Sicht gehe es den Bundestagsabgeordneten in erster Linie um eine Abschaffung der Prostitution. Die aktuelle Debatte sei nur Mittel zum Zweck und eher eine strategische Intervention: „Ich sehe, dass da Duftmarken gesetzt werden.“

„Ich finde, Corona ist ein Zeitpunkt, um sehr wohl über Notstände in gewissen Branchen nachzudenken, aber sie durch die Hintertür abzuschaffen, halte ich für ganz schlecht.“
Johanna Weber, Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen

Zwar sei im Vergleich zu anderen Branchen eine höhere Infektionsgefahr gegeben, doch auch dieser könne man begegnen, so Johannna Weber. Der Berufsverband hat für unterschiedliche Berufszweige und Gegebenheiten Hygieneregeln erarbeitet.

Kein Oralverkehr, Mundschutzpflicht

Die allgemeinen Regeln sehen beispielsweise vor: Nicht mehr als zwei Personen, Verwendung von Desinfektionsmitteln, kein Oralverkehr, eine Unterarmlänge Abstand zwischen den Köpfen. Außerdem gibt es sehr spezifische Regeln: Beim Sex im Whirlpool etwa darf die Maske nicht nass werden.

„Sicherlich ist bei uns die Ansteckungsgefahr etwas höher als in anderen Branchen. Aber wir haben mit dem Gesundheitsämtern zusammen ein Hygienekonzept entwickelt. Und herausgefunden: es geht.“
Johanna Weber, Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen

Auch hier wird die Aufbewahrung der Kontaktdaten von Kunden*innen für vier Wochen empfohlen. Das könne beispielsweise mit einem versiegelten Briefumschlag geschehen. Außerdem sieht der Verband einen Ausschluss vor: Wenn Personen die Einhaltung der Regeln verweigern, sollten auch keine sexuellen Dienstleistungen vorgenommen werden.

„Sex mit Mundschutz, Abstandsregeln zwischen den Köpfen und so weiter - natürlich ist das nicht so spannend. Aber es ist möglich“
Johanna Weber, Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen

Johanna Weber findet die Umsetzung der Regeln machbar, auch die Dienstleister*innen hätten ein Interesse daran, eine Ansteckung zu vermeiden – eine ähnliche Rückmeldung käme von Kunden*innen. Sie führt an: Es zeige sich gerade, in wie vielen Bereichen die Menschen sich anpassen. Und auch bei Dingen, die vorher nicht möglich schienen.

Finanzieller Druck

Viele Anbieter*innen von Sexarbeit hätten keine oder kaum Rücklagen. Für sie sei es essenziell wieder arbeiten zu können, so Johanna Weber. „Wir reden von denen, die unter normalen Umständen der Arbeit nachgehen. Die, die keinen Spielraum haben, die arbeiten jetzt schon illegal. Und sie finden die Situation schrecklich.“ Preise würden gedrückt und damit gedroht, die Sexarbeitenden zu melden.

„Ich hoffe auf die deutsche Rechtsprechung und dass auch unsere Branche wieder ganz normal in Arbeit kommt.“
Johanna Weber, Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen

Auch Sexarbeiter*innen und Anbieter*innen von erotischen Dienstleistungen sollten wie andere Branchen wieder in den Zustand versetzt werden, arbeiten zu können. Möglich, so die Verbandssprecherin, sei das mit einem Stufenplan, nach dem zuerst erotische Massagesalons wieder öffnen. In der nächsten Stufe könnten einzelne Dienstleistungen freigegeben werden bis die Branche langsam wieder geöffnet werde: „Mit ähnlichen, vernünftigen Konzepten wie bei Restaurants oder Baumärkten. Das machen wir alles mit.“