Mehr Sex-Geek als Physics-Geek - Undine de Rivière ist Sexarbeiterin und diplomierte Physikerin. Mit Sebastian Sonntag hat sie über ihre Berufswahl, ihren Alltag und Probleme ihrer Branche gesprochen.

Angefangen hat alles während des Studiums, als Undine de Rivière – das ist ihr Künstlername – sich etwas dazuverdienen wollte. Mittlerweile arbeitet sie seit über 24 Jahren als Sexarbeitern. Ihr Physikstudium hat Undine abgeschlossen, ein Buch geschrieben und einen Berufsverband mitgegründet. Und arbeitet nach wie vor gerne in ihrem Beruf.

"Ich bin nach wie vor leidenschaftliche Naturwissenschaftlerin. Ich würde auch sagen, ich bin nach wie vor leidenschaftlicher Geek. Aber jetzt vielleicht eher ein Geek of Sex als ein Geek of Physics."
Undine de Rivière, Sexarbeiterin

Undine selbst steht zu ihrem Job und macht ihn gerne, in ihrem Umfeld wissen alle Menschen Bescheid. Grundsätzlich wäre die Gesellschaft aber noch nicht offen genug für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter und würde diese diskriminieren, sagt sie.

"Alle Menschen, die mich kennen, wissen auch von meinem Job."
Undine de Rivière, Sexarbeiterin

Ähnlich verhalte es sich mit Gesetzen wie dem neuen Prositituiertenschutzgesetz, sagt Undine. Das Gesetz sei vielmehr ein Sexarbeitverhinderungsgesetz. Um bessere Voraussetzungen in Recht und Gesellschaft zu schaffen, hat Undine daher 2013 den Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen mitgegründet.

"Je größer das Umfeld ist und je größer die gesellschaftliche Akzeptanz für diesen Beruf und diese Branche, desto eher trauen sich solche Menschen zu offenbaren und aus der Isolation rauszukommen."
Undine de Rivière, Sexarbeiterin

Menschenhandel, Ausbeutung oder Zuhälterei, sind nach Undines Ansicht zwar vorhanden, machen für sie aber nicht den Hauptteil der Branche aus. Sie selbst habe bisher nur den normalen wirtschaftlichen Zwänge unterlegen.

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