Mutationen haben das ursprüngliche Coronavirus mittlerweile fast völlig verdrängt. Um die Entwicklung der Varianten im Auge zu behalten, wird das Virus auch bei uns mittlerweile engmaschiger analysiert. Das ist nicht zuletzt wichtig, weil Mutanten unseren Immunschutz umgehen könnten.

B.1.1.7 - diese Bezeichnung dürften wir alle wohl nicht so schnell vergessen. Auf die britische Mutation des Coronavirus, die ansteckender und gefährlicher ist als die ursprüngliche Wildvariante, gehen laut Robert-Koch-Institut mittlerweile über 90 Prozent der Coronavirus-Infektionen zurück. Insgesamt machen Mutanten derzeit 95 Prozent aller untersuchten positiven Proben aus.

"Es ist in der Tat schon ein sehr schneller Verlauf, dass eine Variante aufgetreten ist, die sich so schnell verbreitet hat. Ich glaube, das hat uns alle etwas überrascht."
Nicole Fischer, Virologin

Nicole Fischer ist eine der Forschenden, die solche Proben analysieren. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wo sie arbeitet, wird das Virus schon seit Beginn der Pandemie sequenziert, erzählt die Virologin, seit Anfang des Jahres mit erhöhter Kapazität. Von der Entwicklung in Großbritannien seien alle zwar alarmiert gewesen, trotzdem habe die schnelle Ausbreitung der britischen Variante doch überrascht.

In ihrem Labor in Hamburg werden 200 zufällige Stichproben pro Woche erhoben, erklärt Nicole Fischer. Im Januar hat ihr Team dabei einen Fall der britischen Variante B.1.1.7 entdeckt, Mitte Februar waren es schon 25 Prozent aller untersuchten positiven Proben und Anfang März 95 Prozent, erinnert sie sich.

"Es geht darum, die Dynamik zu beobachten."
Nicole Fischer, Virologin

Die rasante Ausbreitung der Mutante macht deutlich, wie wichtig es ist, Varianten im Auge zu behalten. Im Alltag eines Labors wie in Hamburg bedeutet das konkret: An den Stichproben positiver Fälle wird eine Gesamtgenom-Sequenzierung vorgenommen, erklärt Nicole Fischer.

Heißt: Die Forschenden schauen sich viele Abschnitte des Virus an, die die gesamten 30.000 Basenpaare abdecken, die sie einzeln auf Mutationen untersuchen. Das ist ein sehr aufwendiges Verfahren, erklärt die Virologin, das vom Erhalt der Probe bis zum Ergebnis fünf Tage in Anspruch nimmt.

Die Ergebnisse der Stichproben werden dann elektronisch an das RKI gemeldet. Gleichzeitig melden die Forschenden die Ergebnisse auch an die lokalen Behörden zurück.

Virus-Mutationen könnten Immunschutz umgehen

Im Moment ist die britische Variante sehr verbreitet, andere Mutationen liegen in Deutschland nur wenig vor. Das kann sich aber schnell verändern. Es ist also weiterhin wichtig zu beobachten, wie sich die Mutationen entwickeln und wie sie sich durchsetzen, erklärt die Virologin.

Bedeutend dabei sei vor allem auch, wo auf dem Genom die Mutationen liegen – denn das kann Folgen für die Immunantwort haben. Mit dem Beobachten der Varianten, so die Forscherin, werden wir noch über den Sommer hinaus beschäftigt sein, auch, weil die Impfungen wohl den Immundruck auf das Virus erhöhen.