Homeschooling, Abstandsgebote, Maskenpflicht und kaum sozialer Austausch mit Gleichaltrigen – auch und besonders für Jugendliche sind diese Einschränkungen, die über einen langen Zeitraum andauern, nicht einfach. Helfen könnte, dass mehr Impfpräparate auch für unter 18-Jährige zugelassen werden.

Bisher gibt es nur den Biontech-Pfizer-Impfstoff, der für Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen ist. Alle anderen Impfpräparate dürfen erst ab einem Alter von 18 Jahren verimpft werden. Rund 11 Millionen Schülerinnen und Schüler leben in Deutschland.

Für die unter 16-Jährigen bedeutet das, dass sie weiterhin ungeimpft am Leben teilnehmen müssen und somit auch künftig einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Kontakte zu reduzieren, ist damit eine der wichtigen Schutzmaßnahmen für diese Gruppe.

Allerdings besteht die Hoffnung, dass das Risiko reduziert wird und sich dadurch die Situation für Kinder und Jugendliche verändert, wenn in den kommenden Monaten viele Erwachsene geimpft sind, sagt Alena Buyx, Professorin für Medizinethik an der TU München.

Verschiedene Hersteller testen, ob ihre Präparate auch für Kinder geeignet sind

Der Plan ist, dass es möglichst bald auch Impfungen für Kinder und Jugendliche geben soll. Das Unternehmen Moderna hat beispielsweise in den USA und in Kanada mit einer Studie zur Impfung von Kindern zwischen sechs Monaten und elf Jahren begonnen. Auch die anderen Hersteller planen Studien, um ihre Impfstoffe an Kindern und Jugendlichen zu testen oder haben schon damit angefangen. Die USA und Israel haben bereits begonnen, die über 16-Jährigen zu impfen.

"Natürlich ist die Hoffnung, wenn die Impfstrategie schneller wird und immer mehr Menschen geimpft sind – das sehen wir in anderen Ländern durchaus –, dass das einen klaren Effekt hat auf den Verlauf der Pandemie."
Alena Buyx, Professorin für Medizinethik an der TU München

Eine Rückkehr zum normalen Alltag ist auch für Jüngere erst dann möglich, wenn Impfstoffe auch für Kinder und Jugendliche verfügbar sind. Derzeit scheint das für viele aber noch in so weiter Ferne zu sein, dass sich viele Jugendliche eher von Woche zu Woche kämpfen würden, berichtet Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz.

Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz
"Der Impfstoff scheint so sehr in der Ferne zu sein, dass alle aktuell versuchen, sich durch jede Woche erstmal zu kämpfen, bevor sie sich Gedanken darüber machen, was dann später kommt."
Der Generalsekretär der Bundessschülerkonferenz
© Torben Krauß
Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz Dario Schramm

Er fordere daher vor allem, dass die Politik endlich die Fahrpläne und Strukturen, die sie die ganze Zeit verspricht, umsetze.

Viele Fragen sind noch ungeklärt

Thomas Mertens, der Chef der Ständigen Impfkommission, hat der Rheinischen Post gesagt, er hoffe, dass das Impfen von Kindern und Jugendlichen bis zum Ende dieses Jahres möglich sein wird. Doch auch dann wird es noch eine Weile dauern, bis alle geimpft sind.

Viele Fragen seien noch offen, was Tests angehe, sagt unsere Reporterin Britta Mersch. Sie hat bei einzelnen Kultusministerien und auch beim Bundesfamilienministerium nachgefragt. Ihr wurde mitgeteilt, dass die Anzahl der Tests für Schülerinnen und Schüler hochgefahren werden soll.

"Bei der Politik habe ich im Moment immer den Eindruck, dass man den dritten Schritt vor dem ersten macht und das macht natürlich den Eltern, den Lehrkräften und auch den Schülerinnen und Schülern Sorgen."
Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, ist unzufrieden mit der Situation

Allerdings seien noch viele Fragen, was verfügbare Tests für Schülerinnen und Schüler angeht, offen, sagt Britta Mersch. Das betrifft auch Fragen der Logistik wie beispielsweise die Frage danach, wer die Tests an wem und wann durchführt. Und welche Konsequenzen es haben wird, wenn ein Test positiv ausfällt.

Dass diese Fragen bisher nicht beantwortet wurden, sieht Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, als Ursache dafür, dass Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler verunsichert sind.