Bei Impfstoffen ist die Wirksamkeit entscheidend. Wirkt ein Impfstoff nur zu 50 Prozent, wird keine Herdenimmunität erreicht, erklärt Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth. Trotzdem ist aber der Einzelne geschützt.

Soll ein Impfstoff vor dem Coronavirus schützen, braucht er eine Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent. Das hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt. Die mRNA-Impfstoffe von den Herstellerfirmen Biontech/Pfizer und Moderna, die in der EU zugelassen sind, haben jeweils eine Wirksamkeit von über 90 Prozent.

Intransparente Datenlage

Aber nicht bei jedem Impfstoff ist der Schutzeffekt so hoch. In China, Indonesien, der Türkei, Singapur und Brasilien wird der Impfstoff des Herstellerunternehmens Sinovac Biotech eingesetzt. Die BBC berichtet, dass dieser nur zu 50 Prozent gegen das Coronavirus schützt und beruft sich auf Daten der brasilianischen Landesregierung. Forschende aus der Türkei stellen in einer Studie zum Sinovac-Impfstoff eine Schutzwirkung von 91 Prozent fest.

Nach Angaben von Sinovac komme es auf den Abstand der Dosen an. Bei einem Impfabstand von drei bis vier Wochen läge die Effektivität bei über 70 Prozent. Wie es tatsächlich um die Wirksamkeit des Impfstoffs steht, ist unklar, erklärt Wissenschaftsjournalist Volkert Wildermuth. Dazu fehlen offiziell veröffentlichte Daten.

Individueller Schutz und Gesundheitssysteme entlasten

Auch wenn der Sinovac-Impfstoff eine geringere Wirkung hat, kann er trotzdem dabei helfen, die Infektionsrate um die Hälfte zu verringern. Eine Impfung bedeutet Schutz für jede Einzelne und damit eine Entlastung für die Gesundheitssysteme. Außerdem der Sinovac-Impfstoff auch preiswert.

"Aus Sicht der Gesellschaft ist bereits eine Impfung hilfreich, die schwere Verläufe um die Hälfte vermindert, denn das würde erheblich zur Entlastung der Krankenhäuser beitragen."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Hohe Schwelle für Herdenimmunität

Für eine Herdenimmunität reichen 50 Prozent Wirksamkeit allerdings nicht aus, erklärt Volkert Wildermuth. Eine Gruppenimmunität ist erreicht, wenn ein Coronavirus-Infizierter weniger als einen weiteren Menschen mit dem Virus ansteckt. "Das heißt: Eine Impfkampagne muss mindestens zwei Drittel der Menschen schützen. Und weil kein Impfstoff zu 100 Prozent wirkt, müssen sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung impfen lassen", so der Wissenschaftsjournalist.

Laut dem US-Immunologe Anthony Faucci könne die ansteckenderen Virus-Mutationen dafür sorgen, dass Gruppenimmunität schwerer erreichbar wird. Schon mit den hochwirksamen Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna werde das anspruchsvoll, sagt Volkert Wildermuth und bezieht sich dabei auf die Kölner Infektiologin Clara Lehmann.

Eine Frage des Geldes

"Gerade sehr arme Länder werden vor der schweren Entscheidung stehe: Warte ich ein Jahr, bis vielleicht über Spenden der Biontech-Impfstoff kommt oder nutze ich den von Sinovac, den die chinesische Regierung auch mit günstigen Krediten fördert?", sagt der Wissenschaftsjournalist. Vieles spräche für die Impfung: Die Infektionszahlen würden abnehmen und das Virus hätte so weniger Möglichkeiten zu mutieren.