Der Karneval in Venedig und Fußballspiele wurden abgesagt, einige Modenschauen in Mailand wurden gestrichen und mehr als zehn Gemeinden in Norditalien wurden abgeriegelt. Der Grund ist das Virus Sars-CoV-2, auch "neues Coronavirus" genannt – in Italien gibt es inzwischen (Stand: 24.02., 18:00 Uhr) mehr als 200 Infizierte innerhalb weniger Tage und sieben Todesfälle.

Die Medizinjournalistin Christina Sartori sagt, ganz stoppen ließe es sich wohl nicht mehr, aber die Maßnahmen seien immerhin hilfreich, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Denn wenn sich das Virus ungebremst ausbreiten kann, dann werden sehr viele Menschen auf einmal krank – und dann werden auch viele Menschen schwer krank und müssen im Krankenhaus behandelt werden.

"Das ist eine große Belastung für ein Gesundheitssystem."
Christina Sartori, Medizinjournalistin

Zögert man aber die Verbreitung heraus, dann kommen nicht ganz so viele Menschen auf einmal ins Krankenhaus – das ist dann besser zu managen. Dazu kommt noch: Noch ist die Grippesaison nicht beendet. Das bedeutet: mehr Kranke beim Arzt, im Krankenhaus, kranke Ärzte und Pflegepersonal. Niemand sei daran interessiert, dass zusätzlich noch Hunderte Patienten kommen.

Viele Experten gehen inzwischen davon aus, dass das Virus sich weltweit ausbreiten und somit zu einer Pandemie werden wird. Auch weil in Südkorea die Zahlen der Infizierten stark gestiegen sind. Und weil von den Kreuzfahrtschiffen Menschen nach Hause kamen, die dann später doch positiv auf das Virus getestet wurden. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, spricht zwar noch von einer kleinen Möglichkeit, das Virus einzudämmen – aber diese Möglichkeit ist tatsächlich sehr gering geworden.

Genetische Analyse des Virus erzählt seine Geschichte

In Italien und auch in China sucht man jetzt nach dem Patienten Null – also der Person, die das Virus zuerst hatte. Das ist wichtig, um den Verlauf nachzuvollziehen und die Suche funktioniert mit sehr einfachen Methoden: Zum einen durch Befragungen: Fachleute befragen Kranke, deren Angehörige und Freunde, um den gemeinsamen Nenner zu finden. Wann ist wer erkrankt? Wann kam wer mit wem zusammen? Dabei können auch genetische Analysen helfen: Man vergleicht ganz genau das Erbgut der Viren, die die verschiedenen Patienten krank machen – je mehr Veränderungen, desto weiter auseinander sind zwei Fälle.

Die Analyse ist aus weiteren Gründen wichtig. Einmal um weitere Infizierte zu finden. Und außerdem, um zu lernen, wie das Virus sich verbreitet. In China stellt sich obendrein die Frage: Wie ist es vom Tier auf den Menschen übergesprungen? Alle diese Erkenntnisse sind wichtig, um ähnliche Ausbrüche in Zukunft zu verhindern.

Mit der Untersuchung des Viren-Erbgutes verschiedener Patienten wird zudem erkennbar, wie schnell das Virus sich verändert. Denn bisher ist nicht bekannt, ob das Virus harmloser oder gefährlicher wird.