Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen wieder an, bestätigt der Präsident des Robert Koch-Instituts in einer Pressekonferenz am 28. Juli. Was genau die Ursachen dafür sind, darüber gibt es bislang nur Vermutungen.

Zurzeit nimmt die Zahl derer, die sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben, wieder zu. In den letzten sieben Tagen wurden 3611 Fälle dokumentiert. Das ist mehr als im gleichen Zeitraum davor. Der Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) wird täglich aktualisiert und bietet die Falldaten zu den Covid-19-Erkrankungen.

Im März und April gab es besonders viele Infizierte: Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie in Deutschland wurden mehrere Tausend Menschen pro Tag registriert. Aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln, die bald darauf eingeführt wurden, gingen die Zahlen zurück. Eine ganze Zeit lang pendelten die Zahlen zwischen 300 bis 500 Fällen pro Tag.

"Meine Damen und Herren, die neuste Entwicklung der Fallzahlen macht mir und allen im Robert Koch-Institut große Sorgen."
Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI)

Seit den letzten zwei Wochen geht der Trend aber wieder nach oben. Inzwischen liegen die Zahlen fast durchgehend bei rund 500 Fällen. Deutliche Ausbrüche nach oben gab es am Freitag und Samstag – da wurden bis zu 800 Infizierte festgestellt. Am Tag der heutigen Pressekonferenz (28.07.) infizierten sich über 600 Menschen.

Deutschlandweit nehmen die Infektionen zu

Aktuell gibt es einen kleineren Hotspot in Bayern, einen Ausbruch in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Landkreis Dingolfing-Landau.

Dass die Mitarbeiter des RKI besorgt sind, hängt aber eher damit zusammen, dass der Anstieg der Sars-CoV-2 deutschlandweit erfolgt. Das zeigt sich auch an der Deutschlandkarte des RKI, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sabrina Loi. Auf dieser Übersichtskarte ist farblich markiert, wie viele Neuinfektionen es gibt, und wo diese Fälle festgestellt wurden. Hotspots werden rot markiert. Zu erkennen sind viele gelbe Stellen auf der Karte.

Dazu kommt: Die Zahl der Landkreise und Kommunen, die gar keine Infektionen mit Sars-CoV-2 gemeldet haben, sind deutlich weniger geworden.

"Das Geschehen ist deutschlandweit. Es ist nicht nur ein einzelnes Geschehen, sondern es ist wirklich ein deutschlandweites Geschehen."
Ute Rexroth, Robert Koch-Institut

Rückkehrer aus dem Ausland machen nur zehn Prozent aus

Ute Rexroth vom RKI sagt, dass Neuansteckungen vermehrt bei kleineren Veranstaltungen und in Pflegeeinrichtungen vorkommen. Zu den Orten und Gelegenheiten, an denen sich Menschen anstecken, zählen in erster Linie Familienfeiern, Hochzeiten, Treffen mit Freunden und Ausbrüche am Arbeitsplatz. Auch Gemeinschafts- und Pflegeeinrichtungen, also Altenheime und Einrichtungen des Gesundheitswesens, sind betroffen.

Menschen, die aus dem Ausland zurückkehren, machten nur rund zehn Prozent aller Infektionsfälle aus. In den letzten drei, vier Wochen sei die Zahl derjenigen, die aus dem Ausland gekommen sind und sich dort angesteckt haben, recht konstant geblieben.

"Wir haben es zum Großteil selber in der Hand, wie sich die Pandemie in Deutschland entwickeln wird. Bitte helfen Sie alle weiter mit. Bitte halten Sie sich weiterhin an die AHA-Regeln."
Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts

Lothar Wieler fordert alle auf, sich weiterhin an die AHA-Regeln zu halten, damit die Zahlen nicht noch weiter ansteige.

A - H - A

  • A - Abstand halten – mindestens 1,5 Meter
  • H - Hygieneregeln einhalten – zum Beispiel 20 bis 30 Sekunden lang mit Seife sorgfältig die Hände waschen
  • A - Alltagsmasken tragen