Angesichts der Omikron-Variante besteht die Unsicherheit, wie wirksam die Impfstoffe überhaupt noch sind. Viele sind sich deshalb nicht sicher, ob sie sich jetzt noch schnell Boostern lassen sollen oder ob es klüger ist, auf einen angepassten Impfstoff zu warten. Nun gibt es erste Studiendaten dazu.

Mehrere neue Studiendaten bestätigen unsere Befürchtungen, dass die Corona-Impfstoffe wohl nicht so gut gegen die neue Omikron-Variante wirken sollen, erklärt Julia Polke, Deutschlandfunk Nova-Reporterin. Allerdings müsse man auch differenziert auf die Studienlage blicken.

"In der Studie waren die Antikörper gegen Omikron um fast 40 Prozent weniger wirksam als gegen Delta."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Polke über eine Omikron-Studie

"Die Virologin Sandra Cisek hat die Variante im Labor mit einem echten Virus untersucht. Dabei hat sie festgestellt, dass die Antikörper von Menschen, die zwei mal geimpft wurden, in dieser Studie die Omikron-Variante gar nicht neutralisieren konnten", erklärt sie. Bei Menschen, die vor drei Monaten geboostert wurden, waren die Antikörper noch zu rund 25 Prozent wirksam – und damit fast die um die Hälfte unwirksamer als gegen Delta. Jedoch müsse bedacht werden, dass das im Labor und nicht im echten Leben getestet worden sei, sagt Julia Polke.

Impfung gegen Omikron weniger effektiv als gegen Delta

Bei einer Studie in Südafrika sei man zu einem relativ ähnlichen Ergebnis gekommen, so die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin. Demnach schütze eine doppelte Impfung 41-mal weniger effektiv vor Omikron als vor Delta. "Da hat man aber auch gesehen: Wenn Personen, die mit Omikron infiziert waren, doppelt geimpft waren, hatten sie eine bessere Immunantwort", sagt Julia Polke.

"Virolog*innen sagen, dass der Booster auch andere Teile des Immunsystems anspricht – die T- und die B-Zellen. Dazu gibt es noch keine Ergebnisse mit Omikron."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Polke zu Booster-Impfungen

Auch eine schwedische Studie zeichne ein ähnliches Bild. "Hier sieht die Immunantwort etwas besser aus, aber da hat man auch kein echtes Virus genommen, sondern ein künstliches Virus", erklärt sie. Viele Virolog*innen seien sich deshalb inzwischen sicher, dass nur eine Booster-Impfung gegen das Virus helfe.

Impfstoffe müssen parallel zum Boostern angepasst werden

Auch der deutsche Impfstoffhersteller Biontech habe sich inzwischen positiv zum Boostern und der Wirksamkeit des Impfstoffs beim Boostern geäußert. "Wenn man die Dreifach-Impfung bei Omikron mit einer Zweifach-Impfung bei der Ursprungsvariante vergleicht, ist der Schutz in etwa gleich gut", fasst Julia Polke zusammen.

"Außerdem schreibt Biontech, dass die Teile des Virus, die von den T-Zellen erkannt werden, nicht mutiert sind. Daraus schließen sie, dass auch noch nicht geboosterte Personen sehr wahrscheinlich trotzdem vor einem schweren Krankheitsverlauf durch die Omikron-Variante geschützt sind", so die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin. Dennoch, auch darin seien Expert*innen sich einig, sei es wichtig, die Impfstoffe an Omikron anzupassen. Nur eben parallel zum Boostern und den Erst- und Zweitimpfungen.