Wir haben einen Impfstoff, der gegen schwere Verläufe bei Covid schützt. Um die Infektionszahlen im Herbst einzudämmen, wäre aber wichtig, dass er auch Ansteckungen verhindern kann. Genau daran wird gerade gearbeitet. Doch es bleiben viele Fragen.

Im Oktober wird wohl ein neuer Corona-Impfstoff zur Verfügung stehen, sagt Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth. Schon im Frühjahr hätten Moderna und Biontech/Pfizer begonnen, ihre Impfstoffe an die Omikron-Variante BA.1 anzupassen.

Die Ema (European Medicines Agency/Europäische Arzneimittel-Agentur) überprüft im Augenblick einen Impfstoff der Hersteller, der als Kombination des ursprünglichen Impfstoffs mit einem neuen Omikron-Vakzin wirksam gegen die Omikron-Variante BA.1 sein soll.

Die Ema spricht Empfehlungen für Impfstoff-Zulassungen in der EU aus. Daten aus Tierversuchen und inzwischen auch schon von mehreren Hundert menschlichen Probanden zeigen, dass die Kombiimpfung als Booster ähnlich gut vertragen wird, wie das Original.

Die in den Versuchen gebildeten Antikörper würden Omikron deutlich besser abfangen. Sobald die Zulassung durch die Ema erfolgt, kann es schnell gehen. Die Unternehmen haben die Wirkstoffe schon produziert. Millionen Dosen liegen in den Kühlräumen.

Nach der Sommerwelle nimmt SARS-CoV-2 neuen Anlauf

Noch stecken wir in der Sommerwelle – auch wenn die gerade abflaut. Erfahrungen der Vorjahre haben gezeigt, dass SARS-CoV-2 einen neuen Anlauf nimmt, wenn es kälter wird und die Leute drinnen wieder näher zusammenrücken.

Für die Über-Siebzigjährige empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) einen Booster. Deswegen sollten Risikogruppen nicht auf angepasste Impfstoffe warten. Auch die aktuelle Version schützt ziemlich gut gegen schwere Verläufe.

Dass auch ein sogenannter milder Verlauf ziemlich viele Menschen über mehrere Wochen mitgenommen hat, dürfte sich herumgesprochen haben. Ob ein angepasster Impfstoff auch die angeblich milden Verläufe verhindern kann und ob er sogar eine Ansteckung ausbremsen kann, wird sich erst im Herbst zeigen. Bislang gibt es nur Studien zur Reaktion des Immunsystems auf die Impfstoffe.

Mir persönlich scheint ein besserer Immunschutz auch für Jüngere erstrebenswert. Da ist ein an Omikron angepasster Booster sicher hilfreich."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Aktuell dominieren die Omikronvarianten 4 und 5. In den USA hat die dortige Gesundheitsbehörde FDA deshalb Impfstoffe eingefordert, die an diese Varianten angepasst sind. Die Hersteller haben solche Impfstoffe schnell entwickelt. Daten aus Tierversuchen stimmen optimistisch. Aktuell werden Daten zur Immunantwort von menschlichen Probanden erhoben. Im Oktober dürfte es diesen Impfstoff geben – zumindest in den USA. Gesundheitsminister Karl Lauterbach will ihn auch in Deutschland einsetzen und seit Kurzem ist auch bei der Europäischen Arneimittelbehörde Ema ein Antrag auf Zulassung von Biontech eingegangen.

Es dürfte also bald zwei neue Impfstoffe geben – solche, die auf BA.1 abzielen und solche, die an die Varianten 4 und 5 angepasst sind. Ob das in der Praxis einen großen Unterschied macht, lässt sich zurzeit noch schwer beantworten. Antikörper, die nach einer BA1-Impfung aufgebaut werden, würden auch die Varianten 4 und 5 erkennen, sagt Volkhart Wildermuth, wenn auch nicht ganz so effektiv. Gegen schwere Verläufe sollte jeder Booster gut funktionieren, erklärt der Wissenschaftsjournalist.

Die große Unbekannte bei allem Fortschritt ist, ob im Herbst schon wieder eine neue Virusvariante auftaucht. Dann müsse wieder neu gedacht werden, sagt Volkart Wildermuth. Es spreche aber viel dafür, dass die Impfstoffe weiterhin gegen wirklich schwere Verläufe schützten. Außerdem setzten die Impfstoffhersteller alles daran, einen sehr breit wirkenden Impfstoff zu entwickeln. Bis der einsatzbereit ist, könne es aber noch ein halbes Jahr dauern.