Die Zahl der Infizierten sinkt. Und in mehreren Bundesländern wurde inzwischen die Isolationspflicht bei einer Infektion mit dem Coronavirus aufgehoben. Der Immunologe Carsten Watzl erklärt, wann die Pandemie als beendet gelten kann.

Carsten Watzl ist Immunologe am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund. Er geht davon aus, dass die Pandemie bald für beendet erklärt werden kann, allerdings weist er auch darauf hin, dass das Coronavirus bleiben wird. Menschen werden sich aber auch weiterhin infizieren.

"Die Pandemie wird sicher bald vorbei sein, das Corona wird nie vorbei sein."
Carsten Watzl, Immunologe am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Der Immunologe geht davon aus, dass in Zukunft nicht mehr so viele Menschen schwer an dem Virus erkranken und in der Folge auf einer Intensivstation landen. Das liege einerseits daran, dass die Omikron-Variante harmloser ist als etwa die Delta-Variante, andererseits sei inzwischen die Grundimmunität in der Bevölkerung sehr hoch – entweder weil Menschen geimpft sind, weil sie schon mal mit dem Virus in Kontakt gekommen sind – oder beides.

"Wir haben eine viel höhere Grundimmunität in der Bevölkerung."
Carsten Watzl, Immunologe am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Während der Pandemie wurde versucht, die Infektionszahlen so niedrig wie möglich zu halten – durchs Masken-Tragen, durch Isolationspflicht und durch Lockdowns. "Jetzt ist es so, dass wir uns viel mehr Infektionen erlauben können, weil sie nicht mehr so schwerwiegende Folgen haben", so Carsten Watzl. Zwar gebe es immer noch gewisse Risiken bei einer Infektion, aber die Risiken seien überschaubar geworden.

Das Ende der Isolationspflicht

Carsten Watzl sagt: "Wenn wir keine Maßnahmen mehr brauchen, dann kann man wirklich sagen, dass die Pandemie vorbei ist." Und genau das sei es, was mehrere Bundesländer gerade anstreben. Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein etwa haben die Isolationspflicht bei einer Corona-Infektion abgeschafft. "Als Wissenschaftler sehe ich das ein bisschen als Experiment an", so der Watzl. Man müsse nun schauen, ob dieses Experiment gut gehe.

Dass die Infektionszahlen derzeit abnehmen, liege auch daran, dass weniger getestet werde. Es sei wahrscheinlich, dass mehr Menschen infiziert sind, ohne es zu wissen. Durch das Abschaffen der Isolationspflicht könnte es nun sein, dass auch infizierte Menschen zur Arbeit gehen und andere wieder anstecken. Carsten Watzl sagt man müsse beobachten, wie sich die Situation entwickelt und abwägen. Steigen die Infektionszahlen wieder? Gibt es wieder mehr schwere Erkrankungen? Wie verhält es sich mit anschließenden Long-Covid-Erkrankungen?

"Die Evolution von dem Virus ist noch nicht abgeschlossen, es wird immer wieder neue Varianten geben."
Carsten Watzl, Immunologe am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Und vor allem wird sich das Virus weiterhin wandeln, um wieder Schlupflöcher zu finden, um sich weiter auszubreiten. Carsten Watzl sagt, dass die Evolution des Coronavirus noch lange nicht abgeschlossen ist, allerdings werde es keiner Sub-Variante mehr gelingen, unseren bisherigen Immunschutz komplett zu untergraben.

  • Moderatorin:  Ivy Nortey
  • Gesprächspartner:  Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung and er TU Dortmund