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Cotti Coffee, Mixue und andere Ketten aus China expandieren gerade mit hohem Tempo. Ihr Modell: kleine Läden, To-go, Rabatte, App und standardisierte Abläufe. Dahinter steckt eine neue Art von Franchise. Marcus und Bo gehen der Sache auf den Grund.

Lange war Franchise für viele vor allem eines: USA! McDonald's, Subway, Burger King, KFC – also große Marken, standardisierte Abläufe, immer gleiche Produkte.

Doch gerade verschiebt sich dieses Bild. Neue Ketten aus China wachsen extrem schnell, eröffnen Standorte in Europa und wirken dabei wie eine verschärfte Version des bekannten Modells: billiger, digitaler, datengetriebener.

Cotti Coffee ist in in mehreren deutschen Großstädten wie Köln, Düsseldorf und Berlin ein sichtbares Beispiel dafür geworden. Die chinesische Kette wurde erst 2022 gegründet und setzt auf kleine Läden, To-go, Rabatte und eine App, über die Kunden möglichst direkt bestellen, bezahlen und abholen. Mit Preisen wie 99 Cent für einen über die App bestellten Espresso will die Kette sich hier als Player etablieren.

Kaffee ist nicht nur Kaffee

Wer auf diese Entwicklung schaut, sieht schnell: Es geht nicht einfach nur darum, günstige Getränke zu verkaufen. Es geht darum, ein Modell zu skalieren: wenig Fläche, wenig Aufenthalt, viele standardisierte Prozesse, viel Steuerung übers Handy. Die App ist dabei nicht nur Zusatz, sondern zentraler Bestandteil des Geschäfts.

Doch Kaffee ist eben nicht nur ein Getränk, sagt Steffen Schwarz von Coffee Consulate, einem privaten Forschungs- und Bildungszentren für Kaffee: "Kaffee ist vor allen Dingen etwas, was alle verbindet", sagt er. Er verbinde alle Kulturen, alle Religionen, alle Generationen, alle Momente miteinander. "Das ist das Tolle. Über einer Tasse Kaffee kann man eigentlich alle Probleme dieser Welt lösen und alle Gespräche führen, die es gibt."

"Kaffee ist vor allen Dingen etwas, das alle verbindet. Er ist so ein verbindendes Moment."
Steffen Schwarz, Coffee Consulate

Gerade deshalb sei es bemerkenswert, wenn neue Ketten versuchten, ausgerechnet in Märkte wie Deutschland vorzudringen, wo Kaffee nicht nur Getränk, sondern auch Kultur ist. Steffen Schwarz sieht dabei auch die steigenden Preise für Kaffee bei uns als Grund.

"Eigentlich sind die Kaffeepreise, die wir überall haben, mit dem, was in der Tasse ist, nicht zu rechtfertigen", sagt er. Es sei doch klar: Wenn man ein Pendel habe, das in die eine Richtung ausschlage, schlage es irgendwann mal wieder auch in die andere Richtung aus.

"Eigentlich sind die Kaffeepreise, die wir überall haben, mit dem, was in der Tasse ist, nicht zu rechtfertigen."
Steffen Schwarz, Coffee Consulate

Was an Cotti Coffee wie Franchise aussieht und doch anders ist 

Der entscheidende Punkt ist aber das Geschäftsmodell. Cotti Coffee wirkt wie klassisches Franchise, setzt aber auf ein Modell ohne klassische Franchisegebühren, dafür mit Gewinnbeteiligung für den Mutterkonzern. Das senkt die Einstiegshürde für Betreiber, gibt der Zentrale aber auch mehr Einfluss.

"Im klassischen Franchise habe ich die negativen Dinge. Also ich zahle eine Eintrittsgebühr, ich trage das Risiko. Aber ich habe eben auch die positiven Dinge: Ich behalte den Gewinn ich kann mir auch ein echtes Asset aufbauen", erklärt Christian Becker von Artemis Franchise, einer Beratung für den Aufbau und die Vermarktung von Franchise-Systemen.

Droht kleinen Cafés das Ende wegen Cotti Coffee?

Man bezahlt also für Marke, System und Knowhow. Christian Becker ergänzt: "Bei einem Profit-Share-Modell, wie es Cotti hat, wird der Gewinn geteilt. Also die Idee ist zu sagen: Wenn du nichts verdienst, dann verdienen wir auch nichts, dafür greifen wir aber deutlich stärker ein. Das muss man auch wollen."

Cotti Coffee ist dabei nur Teil einer viel größeren Entwicklung. Mixue Bingcheng, eine chinesische Kette für Eis, Bubble Tea und günstige Drinks, hatte 2024 bereits 45.000 Stores weltweit und lag damit nach Standortzahl vor McDonald’s. Das zeigt: Die neuen Giganten der Systemgastronomie kommen nicht mehr nur aus den USA. Immer öfter kommen sie aus China.

In dieser Folge "What the Wirtschaft?!" untersuchen Marcus und Bo ganz genau, was da vor sich geht – und ob jetzt wirklich das Ende der kleinen Cafés droht…

Habt ihr auch manchmal einen WTF-Moment, wenn es um Wirtschaft und Finanzen geht? Wir freuen uns über eure Themenvorschläge und Feedback an whatthewirtschaft@deutschlandfunknova.de.

Shownotes
Cotti Coffee
Wie Chinas Franchises die Welt erobern 
vom 09. April 2026
Hosts und Autoren: 
Marcus Wolf und Bo Hyun Kim
Gesprächspartner: 
Steffen Schwarz, Coffee Consulting
Gesprächspartner: 
Christian Becker, Artemis Franchise 
Produktion: 
Choukri Gustmann
Redaktion: 
Michael Böddeker
Faktencheck: 
Paulina Lang und Merle Körber
  • Wie Cotti Coffee expandiert
  • Wie Franchises funktionieren
  • Neue Ketten aus Asien
  • Fazit / Wahres für Bares
  • Podcast-Tipp: Plusminus. Mehr als nur Wirtschaft.
Die Quellen zur Folge:
  • Schanche, Alastair Reid (2025): Cotti Coffee: The brand rewriting China’s beverage price floor. In: Dao Insights, 19. November 2025. 
  • World Coffee Portal (2026): Cotti Coffee to enter fifth European market this Spring. 9. März 2026. 
  • Cotti Coffee (2023): Cotti Coffee, the New Vanguard of the Industry, Boasts Over 5,000 Outlets in Less Than a Year. Pressemitteilung, veröffentlicht über Business Wire, 30. August 2023. 
  • MIXUE Group (2025): Summary. In: Global Offering / Prospectus. Hong Kong Exchanges and Clearing Limited (HKEXnews), 21. Februar 2025.