Je länger die Pandemie andauert, desto mehr Symptome und Komplikationen werden vermeldet, die in Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus stehen könnten. Viele davon bleiben eine Ausnahme.

Husten, Fieber, Schüttelfrost oder Atemnot – das sind die klassischen Symptome, die mit dem neuartigen Coronavirus in Verbindung gebracht werden. Laut der Gesundheitsbehörde der USA entwickeln drei Viertel aller Patientinnen und Patienten diese Symptome.

Doch durch die mittlerweile hohe Anzahl an weltweit Infizierten kommen viele neue Begleiterscheinungen wie zum Beispiel Störungen beim Geruchs- oder Geschmackssinn dazu. Sie bleiben aber in der Gesamtheit aller auftretenden Symptome eine Ausnahme, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper.

Entzündungsreaktionen bei Kindern

Medizinerinnen sind beispielsweise gerade bei Kindern viele Komplikationen aufgefallen, die auf eine Covid-19-Erkankung zurückgeführt werden können: Aus den USA, Großbritannien und Frankreich sind mehrere dutzend Fälle von Kindern gemeldet worden, die mit hohem Fieber, Ödemen, Bindehautentzündungen und Durchfall auf der Intensivstation behandelt werden mussten. Die typischen Atemwegssymptome blieben bei diesen Kindern dagegen aus.

"In den USA, Großbritannien und Frankreich sind mehrere dutzend Fälle aufgetreten, wo Kinder mit hohem Fieber, Ödemen, Bindehautentzündungen und Durchfall auf die Intensivstation mussten. Dahinter steckten starke Entzündungsreaktionen."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Nach einem Test kam heraus, dass die Kinder entweder mitten in einer Covid-19-Erkrankung waren oder sie bereits hinter sich gebracht hatten. Deswegen können die Mediziner davon ausgehen, dass bei diesen Komplikationen ein Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus bestünde.

Blutgerinnungsstörungen als Todesursache

Bei einer kleinen Studie aus Hamburg mit zwölf verstorbenen Covid-19-Patienten wurde zudem festgestellt, dass bei der Hälfte der Untersuchten die Todesursache eine Thrombose oder Lungenembolie war.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper sagt, dass das bei einer so kleinen Gruppe auch Zufall gewesen sein könnte, es passe jedoch zu ähnlichen Berichten aus anderen Ländern. Deshalb versuchten die Ärzte derzeit alles herauszufinden, was sie können. Bei einer Gerinnungsstörung sei es schon eine Hilfe, zu wissen, dass man ganz gezielt nach Vorerkrankungen fragen sollte und gegebenenfalls Blutverdünner bei gefährdeten Patienten einsetzen könne.

"Zurzeit versuchen Forschende einfach alles herauszufinden, was sie können – bei den Gerinnungsstörungen ist es schon eine Hilfe zu wissen, dass man eventuell danach gezielt guckt und Blutverdünner geben kann, um den Patienten zu helfen."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

In Spanien meldeten sich außerdem in letzter Zeit häufiger Patienten mit Problemen an Zehen oder Fingern bei ihren Hausärzten. Bei vielen wurden kleine, schmerzhafte Schwellungen oder Blasen an den Zehen oder der Hacke festgestellt, die sich von rot nach blau verfärbten, nach einer gewissen Zeit aber auch wieder verschwanden. Frostbeulen könnten also auch im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung entstehen.

Vielfältige Begleiterscheinungen

Dass neben den Atemwegsorganen nun auch Herz, Nerven, Gehirn, Gefäße oder die Haut betroffen sein können, ist für ein Virus erstmal nicht ungewöhnlich.

Denn das Virus schädigt nicht nur das Gewebe, in dem es sich vermehrt, es fordert auch das Immunsystem stark heraus. Beides zusammen kann zu vielfältigen Begleiterscheinungen wie Fieber oder eben auch Schwellungen an Zehen oder Fingern führen. Die Forschenden vermuten, dass solche Begleiterscheinungen eine Immunreaktion des Körpers auf einen Erreger sein könnten.

Mehr Aufmerksamkeit für Covid-19

Dass die Liste der Begleiterscheinungen und Symptome jedoch so lang ist, hat noch einen weiteren Grund: Es hat mit dem aktuellen Ausmaß der Covid-19-Pandemie zu tun. So erklärt ein Infektionsexperte aus Cambridge, dass wir derzeit vier Millionen bestätigte Fälle weltweit haben. Taucht also nur bei jedem tausendsten oder zehntausendsten Patient ein abweichendes Symptom auf, sind das trotzdem gleich tausende von diesem bestimmten Symptom betroffene Patienten weltweit.

Auch andere Virus-Erkrankungen führen zu Komplikationen, doch bei Sars-CoV-19 wird derzeit sehr genau hingeschaut und geforscht.