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In Portugal breitet sich das mutierte Coronavirus aus – die Kliniken des Landes sind überfüllt. Heute fliegt ein 26-köpfiges medizinisches Hilfsteam der Bundeswehr nach Lissabon. Im Gepäck haben sie Beatmungsgeräte, Infusionsgeräte und Krankenbetten.

Die Infektionszahlen in Portugal sind äußerst hoch. Vergangene Woche waren es 10.000 Neuinfektionen pro Tag, teilweise sogar darüber. In einem Land mit 10 Millionen Einwohnern seien das sehr viele, berichtet unser Korrespondent Reinhard Spiegelhauer.

300 Tote am Tag

Hochgerechnet auf Deutschland wären das etwa 90.000 Neuinfektionen am Tag. Mit dieser Zahl an Infizierten würde wohl auch unser Gesundheitssystem an seine Grenzen kommen, meint unser Korrespondent.

"Die Situation ist ziemlich dramatisch: 300 Tote waren es in der vergangenen Woche pro Tag. Das wären auf Deutschland umgerechnet zweieinhalbtausend Tote."
Reinhard Spiegelhauer, ARD-Korrespondent für Portugal

Für die Eskalation der Lage gebe es drei Gründe, sagt Reinhard Spiegelhauer:

  • Portugal unterhält traditionell enge wirtschaftliche Beziehungen zu Großbritannien: Studierende und Arbeitnehmer, die in Großbritannien leben, haben die britische Virusmutation nach Portugal importiert.
  • Wahrscheinlich ist das vor allem um die Weihnachtstage herum geschehen, denn auch in Portugal wurden um diese Zeit herum die Regeln gelockert: Wenn auch vielleicht nicht ganz so ausgelassen wie sonst – die Menschen haben mit ihren Familien zusammen gefeiert und so das Virus verbreitet.
  • Ein psychologischer Aspekt: Durch die erste Welle war Portugal relativ glimpflich durchgekommen, deshalb hätten die Menschen die Gefahren der Pandemie vielleicht nicht ganz so ernst genommen.

Die Bundeswehr fliegt nun 26 Intensivmediziner, Anästhesisten, Internisten, Intensivpfleger und Hygieniker nach Portugal. Die Fachleute hätten fast alle bereits in Deutschland mit Covid-Patienten gearbeitet und brächten dementsprechende Erfahrung mit, sagt Reinhard Spiegelhauer. Sie sollen zunächst vor allem ein Krankenhaus in Lissabon unterstützen. Es ist aber auch bereits die personelle Unterstützung weiterer Krankenhäuser im Gespräch.

Knowhow und technisches Material

Die Mitglieder des Bundeswehrteams haben alle bereits die erste Covid19-Schutzimpfung erhalten, die zweite soll in Portugal folgen. Sie bringen ihre eigene Schutzausrüstung mit – und jede Menge technisches Material, darunter 50 Beatmungsgeräte, 150 Infusionsgeräte und 150 Betten. Die Hilfe ist zunächst einmal für 21 Tage geplant. Es könnte aber sein, dass noch ein zweites Team hinterherfliegt.

"Portugal hat sehr große Probleme. Ich hoffe, dass wir einen guten Beitrag leisten können. Wir haben sehr gute Schutzausrüstung, wir haben kaum Ansteckungsfälle seit einem Jahr. Ich bin schon vorgeimpft."
Frank Thoms, Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr

Österreich will ebenfalls helfen und hat angeboten, Intensivpatienten aufzunehmen. Genauso der Nachbar Spanien, konkret die Region Extremadura an der Grenze zu Portugal. Durch diese Hilfen würden wiederum Betten in Portugal frei.

Freie Betten in Privatkliniken

Zwar haben eigentlich auch diverse Privatkliniken in Portugal noch Betten frei, berichtet Reinhard Spiegelhauer. Diese nehmen aber häufig keine Corona-Patienten auf: Die Behandlung dort wäre entsprechend teuer und mit der normalen Versicherung können Patienten dort nicht ohne Weiteres hin. Außerdem wollten sich viele Privatkliniken "nicht unbedingt mit aufwendigen Patienten belasten" oder seien nicht auf eine Epidemie oder Intensivmedizin eingerichtet.

Die rechtliche Grundlage, diese Privatkliniken einzubinden, sei durch die aktuelle Notlage und den Alarmzustand zwar gegeben. Doch die Politik scheue sich offenbar, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, sagt unser Korrespondent. Vielleicht auch aus Angst vor dem Vorwurf, das öffentliche Gesundheitssystem kaputtgespart zu haben.

Portugiesisches Gesundheitssystem kaputtgespart?

Denn: Erst vor zehn Jahren musste Portugal unter den Euro-Rettungsschirm und die Troika hatte immense Sparmaßnahmen verlangt. Dabei wurden auch einschneidende Kürzungen im Gesundheitssystem vorgenommen.