Corona kann den ganzen Körper befallen: die Schleimhäute, die Geschmacks- und Geruchsnerven, die Lunge, die Nieren – und auch das Gehirn. Das haben Wissenschaftler herausgefunden. Sie sind beunruhigt, denn Langzeitschäden könnten die Folge sein.

Pathologen aus Deutschland haben in den letzten Monaten insgesamt
150 Menschen obduziert, die durch das SarsCov2-Virus verstorben sind. Das Ergebnis: Dreiviertel der Patientinnen und Patienten hatte keine Vorerkrankung. Sie sind eindeutig an der Infektion gestorben.

Außerdem konnten die Forschenden bei einem Drittel der Toten das Virus auch im Gehirn nachweisen. Der Neurowissenschaftler Henning Beck ist beunruhigt: Wie das Virus unser Gehirn genau beeinträchtige, sei noch unklar, aber Langzeitschäden könnten die Folge sein, sagt der Experte.

"Wie das Virus das Gehirn genau beeinträchtigt, ist noch nicht ganz klar."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Der blinde Passagier

Wie das Virus in das Gehirn gelangt, darüber können Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bislang nur mutmaßen. Eine Theorie gibt es dennoch: Das Gehirn habe ein eigenes Immunsystem, erklärt Henning Beck. Es sei dadurch eigentlich gut gegen einen Virenbefall abgeschirmt. Es komme jedoch immer wieder vor, dass Viren als blinde Passagiere in das Gehirn vordringen.

Dafür kapern sie Zellen und lassen sich so unbemerkt in das Gehirn transportieren, so Beck. Das Tollwutvirus sei ein Beispiel. Ähnlich könne es auch bei Covid-19 funktionieren: Die Forschenden vermuten, dass das Virus die Nervenfasern der Nasenschleimhaut nutzt, um in das Gehirn zu gelangen.

"Die Nervenfasern in der Nase gehen sehr direkt ins Gehirn. Vermutet wird derzeit, dass das Coronavirus über die Nasenschleimhaut ins Gehirn einwandern kann."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Entzündungen im Gehirn

Dort angekommen, verbreiten sich die Viren schnell und im ganzen Gehirn, sagt der Neurowissenschaftler. Das Gehirn reagiere auf einen Virenbefall sehr sensibel. Es könnte dann zu Entzündungsreaktionen kommen, erklärt Henning Beck. Dadurch könnte das Gehirngewebe langfristig geschädigt werden.

"Das Gehirn reagiert sehr sensibel, wenn es angegriffen wird. Es kann zu Entzündungsreaktionen kommen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Bleibende Schäden seien nicht auszuschließen, so der Experte. Ein verstärktes Schmerzempfinden oder Gedächtnisprobleme könnten die Folge sein. Ob das Gehirn auch bei schwachen Krankheitsverläufen vom Virus befallen wird, sei allerdings noch unklar.