Die italienische Regierung schränkt das öffentliche Leben massiv ein – für alle Bürgerinnen und Bürger. Sie sollen das Haus nur verlassen, wenn es nötig ist – beispielsweise zum Arbeiten und aus medizinischen Gründen. Stefania lebt in Norditalien und berichtet von ihrem Alltag.

Italien ist zu einer "geschützten Zone" geworden, so nennt es Ministerpräsident Giuseppe Conte. Alle rund 60 Millionen Menschen leben jetzt in einem Lock-Down-Bereich. In dem Land sind private Reisen und Versammlungen weitestgehend verboten worden.

Stefania lebt in einer kleinen Gemeinde in Mazzano in der Nähe des norditalienischen Brescia. Die Studentin ist dort seit einigen Tagen bei ihrer Familie untergekommen. Vorlesungen verfolgt sie per Skype. Stefania ist nicht berufstätig und deswegen relativ viel zu Hause. Sie geht fast nur zum Einkaufen vor die Tür.

Verständnis für Einschränkungen

Zwar dürfen die Bewohnerinnen und Bewohner im Ort spazieren gehen, aber nicht in Gruppen – allein oder zu zweit sei in Ordnung, berichtet Stefania. Wer den Ort verlässt, kann mit Haft bestraft werden. Auch wenn sich Stefania bereits jetzt eingesperrt fühlt, hält sie die Regeln für sinnvoll. Sie versteht die Notwendigkeit und ist deshalb gern zu Hause bei der Familie.

"Ja, ich fühle mich eingesperrt, aber ich bleibe für die Gemeinschaft gerne zu Hause."
Stefania, über das Leben im Lock-Down

Ein bisschen Angst hat sie aber, auch, weil ihr Bruder vor zwei Tagen noch Fieber hatte. Seine Erkrankung hat sich aber als harmlos herausgestellt. Der Arzt ist nur telefonisch erreichbar und gibt Rezepte an die Apotheke weiter, die noch geöffnet hat. Bisher gibt es im Ort acht Infizierte.

"Ja, ein bisschen Angst habe ich, mich anzustecken, aber da ich die ganze Zeit zuhause bin, gehe ich davon aus, dass die Gefahr nicht so groß ist."
Stefania, über die Sorge sich anzustecken
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Ziemlich leer: die Via Senato in Mailand am 10.03.2020

Auch unsere Reporterin Lisa Weiß bekommt die Regierungsmaßnahmen in Italien zu spüren. Sie betont, dass Berufstätige eigentlich kaum eingeschränkt sind, das Freizeitverhalten hingegen leidet.

Lisa Weiß, Korrespondentin für Italien
"Mittagessen kann man noch. Abends essen gehen? Keine Chance. Ab 18 Uhr ist hier alles dicht."