Häufig besuchte Orte wie Restaurants, Cafés und Co. können zu Superspreader-Orten werden, schreiben Forschende aus den USA. Durchdachte Corona-Maßnahmen und eine begrenzte Besucherzahl könnten das Infektionsrisiko aber um ein Vielfaches reduzieren.

Parallel zur Suche nach einem passenden Impfstoff und Medikamenten zur Eindämmung von Covid-19 forschen Wissenschaftsteams weltweit nach einer Antwort auf die Frage, an welchen Orten sich am meisten Menschen mit dem neuartigen Coronavirus anstecken. Besonders im Blick der Forschenden sind sogenannte Superspreader-Orte.

Viel besuchte Orte in den USA mit hohem Infektionsrisiko

Ein Team aus Forschenden der Stanford University kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis: Das Infektionsrisiko ist an viel besuchten Orten wie Restaurants, Cafés, Hotels und Fitnessstudios am höchsten, wenn ausreichende Corona-Hygienemaßnahmen fehlen. Allerdings gelten in den USA in der Gastronomie und in Geschäften zum Teil andere Hygieneregeln als in Deutschland.

Für ihre Studie haben die Forschenden die anonymisierten Bewegungsdaten von rund 98 Millionen Handynutzerinnen und -nutzern aus zehn US-Großstädten analysiert, die sie zwischen März und Mai 2020 gesammelt haben. Auf Basis dieser Daten haben sie in einem Computermodell untersucht, wo die Menschen hingehen, wie lange sie an einem Ort bleiben und wie viele Menschen sich zur gleichen Zeit dort aufhalten.

Anhand der Modellberechnung fanden die Forschenden heraus, dass der Großteil der Infektionen auf eine kleine Anzahl von Orten zurückzuführen ist. In Chicago zum Beispiel brachten sie 85 Prozent der Ansteckungen mit zehn Prozent der meistbesuchten Orte – den Superspreader-Orten – in Verbindung.

Modell stimmte mit nachgewiesenen Zahlen überein

Die Ergebnisse seiner Simulation hat das Forschungsteam im Anschluss mit den nachgewiesenen Fallzahlen in den zehn US-Metropolen verglichen. Demnach, schreiben die Forschenden, stimme ihre Modellrechnung sehr gut mit den tatsächlichen Entwicklungen überein.

Öffnung unter Corona-Vorschriften möglich

Zudem konnten die Forschenden durchspielen, welche Auswirkungen bestimmte Maßnahmen auf das Infektionsrisiko an den betroffenen Orten hätten. Laut der Studienautoren ist es offenbar weniger sinnvoll, flächendeckend die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Sie schlagen stattdessen vor, an viel besuchten Orten für weniger Kontakte zu sorgen. Laut dem Modell könnte das Infektionsrisiko an möglichen Superspreader-Orten um 80 Prozent verringert werden, wenn die maximale Besucherzahl auf 20 Prozent reduziert werde.

Auf die derzeitige Situation in Deutschland ist die Studie allerdings nicht übertragbar. Die Studie ist als Vorveröffentlichung im Fachmagazin Nature erschienen.

"Das sind Infos, die auch die Grundlage vieler politischen Entscheidungen sind und waren. Für viele Leute sind diese Entscheidungen schmerzhaft und nicht immer nachvollziehbar – deshalb ist es wichtig, dass solche Infos in großen Untersuchungen bestätigt werden."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk Nova