Victoria Reith (34) erkrankt im September an Covid-19. Noch vor der zweiten Welle. Die Infektion verläuft relativ mild, dennoch spürt sie bis heute Folgen der Krankheit. "Ich bin bis heute nicht wieder richtig fit", sagt die eigentlich sportlich aktive Journalistin.

Ende September 2020 kann Victoria Reith auf einmal nichts mehr schmecken. Die 34-Jährige lässt sich auf eine Corona-Infektion testen und erfährt, dass sie positiv ist. "Ich weiß bis heute nicht, woher ich es habe", sagt die freie Journalistin, die viel für die Dlf-Programme arbeitet.

Der Verlauf der Krankheit ist relativ mild. Victoria hat Husten und Schnupfen, auch Kopfschmerzen und neben dem Geschmacksverlust geht auch der Geruchssinn verloren. Genau einen Monat nach der Infektion teilt sie ihre Geschichte auf Twitter.

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Denn trotz des relativ harmlosen Verlaufs wird Victoria nicht wieder hundertprozentig gesund. Vor der Erkrankung hat sie viel Sport getrieben. "Statt 20 Kilometer joggen, strengt mich jetzt schon ein Spaziergang an." Sport sei nach wie vor nicht möglich. Es sei einfach zu anstrengend.

"Ich bin bis heute nicht wieder richtig fit."
Victoria Reith, freie Journalistin

Dass eine Corona-Infektion Langzeitfolgen haben kann, davon hatte Victoria gelesen und gehört. Aber es selbst zu erleben, mache einen Unterschied. "Wie real die Gefahr ist, dass man Langzeitfolgen hat, mit denen ich mich immer noch herumschlage, war mir vorher nicht bewusst."

Langzeitfolgen: Müdigkeit oder Gedächtnisprobleme

Auf ihren Tweet hin bekommt Victoria sehr viel Resonanz und auch andere Betroffene schildern ihre Langzeitfolgen nach einer Covid-19-Erkrankung.

Auch laut Robert-Koch-Institut können langfristige Folgen auch nach einem milderen Verlauf auftreten wie zum Beispiel Müdigkeitserscheinungen, Merkstörungen oder Gedächtnisprobleme. Auch Personen, die wegen eines schwereren Verlaufs stationär in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, kämpfen häufig mit Folgen von Covid-19. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Krankenkasse DKV. Danach liegen die Behandlungskosten bei Menschen, die nach dem Klinik-Aufenthalt als genesen gelten, im Schnitt um 50 Prozent höher als vor der Erkrankung.

Kontaktpersonen benennen

Bevor Victoria Reith Ende September in Quarantäne geht, überlegt sie, wen sie wann und wie getroffen hat. Sie kommt auf fünf Kontaktpersonen, mit denen sie mindestens 15 Minuten gesprochen hat - von Angesicht zu Angesicht - oder über einen längeren Zeitraum in einem Raum ohne Lüften war. Damit keine wichtige Zeit verloren geht, informiert Victoria ihre Kontaktpersonen selbst. Inzwischen braucht das Gesundheitsamt dafür bis zu fünf Tage.

Das war keine leicht Aufgabe, erzählt Victoria, genau zu überlegen und dann die Anrufe zu machen. "Das war eine harte und große Verantwortung", sagt Victoria heute. Aber es ist eben wichtig, verantwortlich zu handeln. Um so mehr in der zweiten Welle mit steigenden Infektionszahlen und Gesundheitsämtern, die die Infektionsketten kaum noch nachverfolgen können.