Das Crowdfundingkonzept hat sich längst etabliert. Doch nicht jedes Projekt wird erfolgreich umgesetzt. Um die schlimmsten Fehler zu verhindern, stellen die Plattformen Kickstarter und Indiegogo Gründern von Projekten jetzt Experten beratend zur Seite.

Es ist schon ärgerlich, wenn wir Geld in ein Crowdfundingprojekt stecken und der Chef der Firma mit der Kohle in den Stripklub geht – so geschehen beim 'Skully', dem vernetzten Motorradhelm. Zum Glück ist das aber eher die Ausnahme. Scheitern Projekte, dann meist, weil sich die hochfliegenden Pläne einfach nicht realisieren lassen.

Crowdfundingfails sind oft besonders spektakulär

Mehr als andere Unternehmen sind Crowdfundingprojekte besonders auf ihren guten Ruf angewiesen. Aufsehenerregende Fails halten uns als potenzielle Förderer natürlich davon ab, in neue Projekte zu investieren.

"Obwohl laut Kickstarter nur neun Prozent aller Projekte scheitern, scheitern viele so öffentlichkeitswirksam, dass die Plattformen um ihren Ruf besorgt sind."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Besonders groß ist das Risiko des Scheiterns vor allem bei neuen, spektakulären Technologien. Gerade erst musste Kickstarter das Projekt 'Gravity' vom Markt nehmen -  eine Art schwere Decke, die das Umarmen simulieren sollte und angeblich bei Panikattacken, posttraumatischen Belastungsstörungen oder Stress helfen sollte.

'Gravity' hatte bereits über drei Millionen Dollar eingesammelt, bis sich herausstellte, dass die Marketingversprechen nicht haltbar waren. Genau hier setzen die Experten an:

"Die Experten sollen zum Beispiel schon im Vorfeld checken, ob die technischen Features eines Produkts realistisch sind oder nur Blabla."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Die fachlichen Voraussetzungen, um abzuschätzen, ob ein Projekt funktioniert, waren auch bei den Gründern der Zanodrohne nicht vorhanden. Das Projekt, das über dreieinhalb Millionen Dollar einsammelte, versprach eine Drohne, die ihrem Besitzer hinterherfliegt, dabei Hindernisse umfliegt und Selfies schießen kann. 

Um solche Fails zu verhindern, arbeitet Indigogo jetzt mit Arrow zusammen. "Das ist eine Elektrodesignfirma, die das Design, die Materialliste, die Herstellungskosten überprüft - und zwar kostenlos für die Crowdfunder", sagt Martina Schulte.

Kooperation nicht verpflichtend

Der Gewinn für die Beraterfirmen von Kickstarter und Indiegogo liegt im Kontakt zu potenziellen neuen Kunden, die dann die elektronischen Bauteile bei ihnen beziehen. "Die Firmen stellen Tutorials und Webinare mit hauseigenen Ingenieuren zur Verfügung", so Martina Schulte. "Es gibt auch Mentorenprogramme, wo Ingenieure und Designer von Avnet oder Dragonnet in Kickstarterprojekte eingebunden werden."