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In den vergangenen zwei Jahren wurden insgesamt 45 professionelle Drogenküchen in Holland und Belgien hochgenommen. Labore, in denen in großem Maßstab Crystal Meth produziert wurde. Verhaftet wurden dabei auch Mexikaner – mit Verbindungen zu großen Kartellen in Mexiko. Europol macht sich darüber Sorgen.

Die Drogenkartelle in Mexiko sind berüchtigt: Sie sind extrem brutal und haben ganze Landstriche in ihrer Gewalt. Recherchen lassen jetzt vermuten, dass mexikanischen Kartelle auch in Europa schon einen Fuß in der Tür haben. Insgesamt haben 60 Reporterinnen und Reporter aus 18 Ländern zu Drogenkriminellen aus Mexiko und ihren Verbindungen recherchiert. In Deutschland waren der NDR, WDR, "Die Zeit" und die "Süddeutsche Zeitung" beteiligt. Alle Ergebnisse wurden jetzt unter dem Schlagwort "Cartel Project" publiziert.

Im April 2019 hat sich in einer kleinen Stadt südlich von Rotterdam zum Beispiel folgendes Szenario abgespielt: Ein kleines Polizeiboot fährt dort in den Hafen ein und macht eine routinemäßige Kontrolle. Alles normal, aber an diesem Morgen nehmen die Polizisten einen seltsamen Geruch wahr – chemisch, beißend. Die Ermittler werden dann auf einen Frachtkahn aufmerksam und klopfen an die verschlossene Tür. Und plötzlich stehen sie in einer professionell eingerichteten Drogenküche, in der drei Mexikaner gerade mit der Herstellung von Crsytal Meth beschäftigt sind.

Crystal Meth hat vor Kurzem in den Niederlanden noch keine Rolle gespielt

Der NDR-Reporter Benedikt Strunz hat für das "Cartel Project" recherchiert und erklärt, dass die Niedelande zwar schon lange als "die Drogenküche in Europa" gelten, allerdings habe Crystal Meth bis vor zwei Jahren noch keine große Rolle auf dem Markt dort gespielt. Bisher waren dort eher Partydrogen wie Amphetamine und Ectasy in Umlauf.

"Diese Produktion wird gerade umgestellt auf das wesentlich gefährlichere Methamphetamin."
Benedikt Strunz, NDR-Reporter

Bislang waren eher Ostdeutschland und Osteuropa Gegenden, wo in kleinen Küchenlaboren Methamphetamin hergestellt wurde. Zum Teil eher dilettantisch, indem Hustentabletten aus den Blistern gedrückt und dann zu Crystal Meth verarbeitet wurden. Die neuen Fälle in den Niederlanden und in Belgien lassen aber darauf schließen, dass dort jetzt in Profilaboren gearbeitet wird. "Das ist überhaupt nicht mehr zu vergleichen", sagt Benedikt Strunz, "da wird wirklich für den Weltmarkt produziert."

"Die Menge an Laboren, die dort auffliegen, ist besorgniserregend."
Benedikt Strunz, NDR-Reporter

In den vergangenen zwei Jahren sind in den Niederlanden und in Belgien insgesamt 45 Labore aufgeflogen – und 19 Mexikaner festgenommen worden. Die Dunkelziffer an Laboren und auch an Mexikanern, die in Europa für diesen Markt arbeiten, dürfte jedoch wesentlich höher sein, vermutet Reporter Benedikt Strunz.

Kontakte zum Sinaloa-Kartell

Die Reporterteams, die zum neuen Crystal-Meth-Markt in Europa recherchiert haben, konnten nachvollziehen, dass etwa die festgenommenen Mexikaner regelmäßige Kontakte in ihr Heimatland hatten und dass sie auch Verbindungen zu großen Kartellen haben. "Wir wissen auch, dass Leute aus Mexiko kommen, um sich die Labore hier anzuschauen", sagt Benedikt Strunz.

Amrai Coen, eine Reporterin, die mit Benedikt zusammengearbeitet hat, konnte in Mexiko sogar mit Chrytal-Meth-Verantwortlichen von Kartellen sprechen, die ganz offen zugaben: "Natürlich schicken wir Köche nach Europa".

"Holland ist extrem besorgt."
Benedikt Strunz, NDR-Reporter

Weder Europol noch andere Ermittler hätten Lust auf diese Entwicklung, meint Benedikt Strunz. Mexikanische Kartelle wolle niemand in Europa haben. Deswegen gebe es jetzt Versuche, mit Polizeibehörden in Mexiko zusammenzuarbeiten um besser gegen die Labore vorgehen zu können.