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Fast eine Milliarde Euro Schaden richten Krypto-Betrügereien in Deutschland an. Tobias Kremp kennt die Maschen der Täter: Er arbeitet als Blockchain-Analyst im Finanzkompetenzzentrum bei einer hessischen Polizeibehörde, außerdem ist er freier Fachautor.

Schätzungen von durchschnittlichen Schadenssummen von fast 40.000 Euro pro Geschädigtem aus. Hinter dem Betrug steckt eine professionell arbeitende Branche, deren Hauptziel es ist, ihren Opfern ein attraktives Anlageangebot vorzugaukeln. Die Tendenz ist weiter steigend, auch weil Künstliche Intelligenz den Tätern neue Werkzeuge liefert.

Die Blockchain als riesiges, öffentliches Kassenbuch

Für die Verschleierung des Betrugs spielt die Technologie hinter Kryptowährungen eine zentrale Rolle: die sogenannte Blockchain. Diese Technologie kann man sich, vereinfacht gesagt, vorstellen wie ein riesengroßes Kassenbuch, erklärt der Krypto-Experte Tobias Kremp, im Interview äußert er sich als freier Autor.

Er veranschaulicht den Betrug anhand des Beispiels einer Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern: Jeder Geldfluss, der in dieser Stadt vorgenommen wird, wird in ein Kassenbuch geschrieben. Dieses Kassenbuch liegt nicht an einem zentralen Ort aus und wird auch nicht von einer Person gepflegt, die dort die Zahlungseingänge einträgt. Stattdessen hängt dieses Kassenbuch quasi in jedem einzelnen Schaufenster dieser ganzen Stadt, erläutert Kremp.

"Dieser Eintrag ist unwiderruflich in dieses digitale Kassenbuch geschrieben und kann nicht verändert werden.“
Tobias Kremp, Krypto-Experte und freier Fachautor

Das bedeutet: Wenn eine Transaktion stattfindet – beispielsweise überweist Person A 1.000 Euro an Person B –, dann wird gleichzeitig in jeder dieser Ausfertigungen des Kassenbuchs ein entsprechender Eintrag vorgenommen. Und kann nicht rückgängig gemacht werden.

Die Blockchain-Technologie macht es somit möglich, dass außerhalb des offiziellen Bankensystems Gelder unwiderruflich verloren gehen. Zudem macht sie die Nachverfolgung von Geldflüssen zu einer hochkomplexen Aufgabe, die Spezialisten wie Tobias Kremp tagtäglich beschäftigen.

Selber schuld – ein gefährlicher Irrtum

Wer Opfer eines Krypto-Scams wird, muss sich laut Tobias Kremp in der öffentlichen Wahrnehmung oft rechtfertigen. Naiv, leichtgläubig, selbst schuld – diese Zuschreibungen höre der Krypto-Experte bei seiner Arbeit ständig.

"In ganz, ganz vielen Fällen – eigentlich in jedem dieser Fälle – ist eine solche Abstempelung einfach falsch."
Tobias Kremp, Krypto-Experte und freier Fachautor

Ein Aspekt, der in der Debatte oft zu kurz kommt: Viele Betroffene werden über Werbeanzeigen dorthin geführt – etwa bei GMX, Facebook, YouTube oder Instagram.

Eine Reuters-Recherche fand heraus, dass rund 10 Prozent der 2024 bei Meta geschalteten Werbung Scams oder gefälschte Produkte bewarben. Die Frage nach der Verantwortung stellt sich damit längst nicht mehr nur den Opfern – sondern auch den Plattformen, die solche Anzeigen zulassen.

Hörtipp: Eine Stunde History

Die Hosts Steffi Orbach und Markus Dichmann schauen mit unserem Geschichtsexperten Dr. Matthias von Hellfeld auf die wichtigsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte – um zu verstehen, was die Vergangenheit mit unserem heutigen Leben zu tun hat.

In 100 Folgen geht es chronologisch durch die Geschichte. Warum leben wir in Europa so zusammen, wie wir es tun? Woher stammen die Gesetze, Sprachen und Menschen, die hier leben? "Eine Stunde History – Jetzt mal der Reihe nach" hört ihr immer freitags in der Deutschlandfunk App.

Habt ihr auch manchmal einen WTF-Moment, wenn es um Wirtschaft und Finanzen geht? Wir freuen uns über eure Themenvorschläge und Feedback an whatthewirtschaft@deutschlandfunknova.de.

Shownotes
Cyber-Betrug
Ein Experte berichtet über Krypto-Scams
vom 17. September 2026
Gesprächspartner: 
Tobias Kremp, Blockchain-Analyst im Finanzkompetenzzentrum bei einer hessischen Polizeibehörde und freier Fachautor
Autor: 
Marcus Wolf
Produktion: 
Alexander Hardt
Redaktion: 
Michael Böddeker
  • Interview mit Blockchain-Analyst Tobias Kremp
  • Was ist die Blockchain?
  • Wie Menschen auf Betrüger hereinfallen
  • 100 Prozent Verlust ist noch optimistisch
  • Die psychologischen Tricks der Scammer
  • Der Fluss des Geldes
  • Was ist strafbar?
  • Fazit
  • Podcast-Tipp: Eine Stunde History - Jetzt mal der Reihe nach
Die Quellen zur Folge: