Indien könnte Deutschland bald als drittgrößte Volkswirtschaft ablösen. Doch hinter dem Aufstieg steckt ein Widerspruch: Das Land ist wirtschaftlich riesig, aber pro Kopf noch immer sehr arm. Marcus und Bo fragen: Wie hat Indien das geschafft?
Noch liegt Deutschland in der Rangliste der größten Volkswirtschaften auf Platz drei, hinter den USA und China. Indien folgt auf Platz vier – noch. Denn laut einer Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln könnte Indien Deutschland ungefähr 2028 überholen.
"Wir vergleichen bei diesem Ranking die absolute Größe."
Der Grund ist vor allem die Größe des Landes: In Indien leben rund 1,4 Milliarden Menschen, in Deutschland etwa 83,5 Millionen. Obwohl die Wirtschaftsleistung pro Kopf in Indien deutlich geringer ist, ergibt sich durch die große und weiterhin wachsende Bevölkerung eine immer größere Gesamtwirtschaft.
Indien nahm einen anderen Weg als China
Noch 1990 lagen Indien und China beim Pro-Kopf-Einkommen ungefähr gleichauf. Danach setzte China auf Fabriken, Industrie und Exporte. Indien entwickelte sich anders.
Auslöser war eine schwere Wirtschaftskrise im Jahr 1991. Die Devisenreserven reichten kaum noch für wichtige Importe. Indien verpfändete einen Teil seiner Goldreserven und begann, seine stark abgeschottete Wirtschaft zu öffnen. Zölle wurden gesenkt, Vorschriften gelockert und ausländische Unternehmen zugelassen.
Seitdem wächst die indische Wirtschaft stark. Den klassischen Weg über Millionen neuer Fabrikarbeitsplätze hat das Land jedoch weitgehend übersprungen..
Das Backoffice der Welt
Statt zur Werkbank wurde Indien zum Backoffice der Welt. In Städten wie Bengaluru programmieren Unternehmen Software, betreiben Hotlines und übernehmen die Buchhaltung für internationale Konzerne.
"Es gibt Menschen in Indien, die sind sehr, sehr reich, und gleichzeitig gibt es bittere Armut."
Dienstleistungen machen inzwischen fast die Hälfte der indischen Exporte aus. Doch diese Jobs verlangen häufig gute Englischkenntnisse, eine Ausbildung oder ein Studium. Sie erreichen deshalb weniger Menschen als einfache Arbeitsplätze in Fabriken.
Gleichzeitig arbeiten noch immer viele Inderinnen und Inder in der Landwirtschaft. Reichtum und bittere Armut liegen dabei teilweise direkt nebeneinander.
Warum Indien für Europa wichtiger wird
Im Januar 2026 verkündeten die Europäische Union und Indien nach jahrelangen Verhandlungen ein Freihandelsabkommen. Zölle auf viele europäische Produkte sollen wegfallen oder deutlich sinken. Davon könnten unter anderem deutsche Hersteller von Autos, Maschinen, Chemieprodukten und Medikamenten profitieren.
Indien wird damit als Absatzmarkt und politischer Partner wichtiger. Gleichzeitig verfolgt das Land eine Politik der strategischen Autonomie: Es bindet sich nicht fest an ein Lager, sondern arbeitet je nach Thema mit unterschiedlichen Staaten zusammen.
Der ungewöhnliche Aufstieg Indiens
Indien wird Deutschland in der Rangliste der größten Volkswirtschaften wahrscheinlich überholen. Das heißt aber nicht, dass Deutschland wirtschaftlich verschwindet. Es bedeutet vor allem: Ein riesiges Land holt auf und wird für uns immer wichtiger.
In dieser Folge von What the Wirtschaft?! erklären Marcus Wolf und Bo Hyun Kim, wie Indien seinen ungewöhnlichen Aufstieg geschafft hat und was er für Deutschland bedeutet. Außerdem verabschiedet sich Bo aus dem Podcast: Sie wird Junior-Korrespondentin im ARD-Studio Delhi.
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- Reality Check - Wie schnell wächst Indiens Wirtschaft?
- Wirtschaftlicher Aufstieg mit Dienstleistungen statt Produkten
- Deal mit der EU - Warum jetzt alle nach Delhi fliegen
- Fazit / Wahres für Bares
- Bo sagt tschüss - tschüss, Bo!
