Wir verändern unsere Körper. Etwa wenn wir verloren gegangene Funktionen durch Prothesen ersetzen. Das kann eine künstliche Hand sein oder ein Herzschrittmacher. Aber wir können uns durch technische Ergänzungen auch ganz neue, ungeahnte Sinneseindrücke verschaffen. Ob wir das tun sollten, darüber spricht der Cyborg und Publizist Enno Park.

Enno Park bezeichnet sich als Cyborg, als Menschmaschine. In seinen Körper wurde nachträglich ein Computer eingebaut, ein Chochlea-Implantat, durch das er wieder hören kann. Wir assoziieren das Wort "Cyborg" mit Science Fiction, oft auch mit dystopischer Science Fiction. Enno Park weist darauf hin, dass die Bezeichnung für dieses Mensch-Maschine-Mischwesen allerdings aus der Wissenschaft stammt.

Ein Cyborg ist ein kybernetischer Organismus

Die Idee eines solchen Mischwesens fasziniert nicht nur den Unternehmer Elon Musk, der meint, der Mensch müsse sich zwangsläufig zum Cyborg umbauen, wenn er in Konkurrenz gegen künstliche Intelligenzen bestehen will. Theoretikerinnen wie Donna Haraway dagegen haben das emanzipatorische Potential des Cyborgs betont, berichtet Enno Park in seinem Vortrag. Ihr "Cyborg Manifest" wird seit 1985 immer wieder neu interpretiert.

"Diese Erfahrung eines zusätzlichen Sinnes, das ist es, was Leute spannend daran finden."

Sollten wir uns also RFID-Chips einsetzen lassen, um uns damit ausweisen zu können? Oder ist das unnatürlich, sogar unmenschlich? Enno Park stellt die Gegenfrage: Was ist denn natürlich, was ist menschlich? Er sieht eine wichtige menschliche Konstante: Menschen hätten schon immer manipuliert, ihre Umwelt und auch sich selbst.

"Der Mensch greift ganz, ganz tief in die Natur und auch in sich selbst ein."

Teil des Menschseins sei es, Technik auf vielfältige Art und Weise zu benutzen. Individuelles, technisches und gesellschaftliches Handeln seien miteinander verwoben. Umso wichtiger, dass wir darüber nachdenken, ob wir als einzelne und als Gesellschaft Enhancement wollen, wofür und wogegen wir uns entscheiden, und mit welchen Argumenten wir das tun.

Der Vortragende:

Enno Park ist Informatiker und studiert Technikphilosophie an der Technischen Universität Berlin. 2013 hat er den Cyborgs e.V. mitgegründet. Er veröffentlicht zu Themen wie Digitalisierung und Technik. Seinen Vortrag mit dem Titel "Human Enhancement: Wenn Mensch und Maschine zusammenwachsen" hat er am 8. Oktober 2019 auf Einladung der Polytechnischen Gesellschaft im Rahmen der Vortragsreihe "Zukunft Mensch" in Frankfurt am Main gehalten.