Sean wiegt mehr als der Durchschnittsbrite. In einem Club lachen ihn andere aus, machen Fotos von ihm, und das Mobbing im Netz geht weiter. Gegenschlag, dachten sich ein paar Frauen in Los Angeles. Und organisieren für den Dancing Man eine Party, die sich gewaschen hat.

Das Netz kann schon ein Arschloch sein. Da tanzt man wie jeder andere auch in einem Club in London. Wird fotografiert wie jeder andere auch. Landet wie jeder andere auch im Netz. Und muss sich dann Kommentare wie diese anhören:

"Schaut euch mal an, wie dieses Prachtexemplar zu tanzen versucht. Er hat direkt aufgehört, als wir angefangen haben zu lachen."

Der Brite Sean O’Brien war Ziel dieser Häme. Er ist fülliger als der Durchschnitts-Brite, und auf sein Körpergewicht zielen die Kommentare ab. Doch das Netz hat Selbstverteidigungskräfte. Und die schlagen voll zurück.

Alles beginnt mit Cassandra Fairbanks, 30 Jahre alt, sie lebt in Los Angeles. Sie sieht das Foto mit den dazugehörigen Kommentaren, ist entsetzt und beschließt: Wir finden Sean und schmeißen eine Party für ihn. Diese Idee hätte ganz schnell im Sande verlaufen können. Aber sie entwickelt eine Eigendynamik, die am Anfang niemand abschätzen kann.

"Lieber Dancing Man, wir wissen nicht viel über dich, aber ein Foto im Internet lässt uns vermuten, dass du gerne tanzen wolltest und dir das Gefühl gegeben wurde, es sein zu lassen. Wir würden gerne eine Party nur für dich schmeißen. Viele Grüße von einer Gruppe gelegentlich über-enthusiastischer junger Frauen aus Kalifornien. Hashtag: Find Dancing Man."
Cassandra Fairbanks

Als Sean, der Dancing Man, die Einladung nach L.A. bekommt, muss er sich erstmal einen Twitter-Account anlegen. Binnen kurzer Zeit folgen ihm 80.000 Menschen. Per Crowdfunding werden 40.000 Dollar für seinen Flug gesammelt - viel zu viel, der Rest geht an verschiedene Anti-Mobbing-Organisationen. Sponsoren übernehmen die Partyorganisation, die Medien sind da, Moby legt auf, Pharell Williams ist Partygast und Support via Twitter. Monica Lewinski hält eine kurze Rede über Mobbing.

Und der Dancing Man? So ungefähr jeder Partygast will mit ihm tanzen, Selfies machen, in den Arm nehmen. "This is the best I ever believed", sagt er."It’s all about dancing, and being positive and being yourself. That’s the best thing about it."

Cassandra Fairbanks, Sean O'Brien, Hope Leigh bei der Dancing-Man-Party in Los Angeles.
© Hanna Ender | DRadio Wissen
Cassandra Fairbanks (l), Hope Leigh (r), die die Party für den Dancing Man organisiert haben, mit Sean O'Brien.