In der Türkei wird künftig keine Evolutionstheorie mehr an Schulen gelehrt. Ist eh alles viel zu kompliziert für die Schüler, meint die Regierung. Und fragwürdig noch dazu.

Charles Darwin, Theologe und Naturwissenschaftler, hat vor rund 150 Jahren die Wissenschaftswelt ziemlich aufgewirbelt. Darwin sagt: Tiere und Pflanzen wurden nicht auf einen Schlag von Gott erschaffen, sondern sie haben sich allmählich entwickelt - und zwar nach bestimmten Regeln. 

Diese Regeln haben wir alle in der Schule gelernt: die Regeln der Evolutionstheorie

Survival of the Fittest

Susanne Foitzik, Professorin für Evolutionsbiologie an der Universität Mainz, erklärt Darwins Theorie auch gern an einem Beispiel: die schnellste Gazelle überlebt und kann sich fortpflanzen. 

"Die Gazellen, die schneller weglaufen können, werden mehr Nachkommen haben, weil sie dem Löwen öfter weglaufen. Und dieses Merkmal wird sich dann in der Population der Gazellen durchsetzen."

Die am besten angepassten Individuen setzen sich also im Laufe der Evolution durch. Und so ist laut Darwin auch der Mensch entstanden, erklärt Susanne Foitzik.

Gott vs. Darwin

Es gibt Menschen und Institutionen, die Darwin in Frage stellen. Das sind beispielsweise religiöse Fundamentalisten wie die Kreationisten, die an die biblische Schöpfungslehre glauben. 

Aber auch scheinbare Experten mit naturwissenschaftlichem Anstrich bezweifeln Darwins Theorie. So wie der Arzt Johannes Sommermeier, der auf seinem YouTube-Kanal die Frage stellt: Lag Darwin falsch?

"Wie soll so was mit ganz viel Zufall, mit ganz viel Mutation von alleine entstehen? Das sieht mir eher nach einem intelligenten Machwerk aus, als nach einem Produkt des Zufalls."
Johannes Sommermeier, beschäftigt sich auf Youtube mit der Evolution

Dieses Argument kommt oft von Gegnern der Evolutionstheorie: Das Leben ist einfach zu komplex, als dass es der Zufall geschaffen haben könnte. Evolutionsbiologen weltweit sind sich aber einig, dass die Grundlagen von Darwins Theorie stimmen.

"Wir sehen in experimentellen Evolutionsversuchen, dass innerhalb von zehn Generationen erstaunliche Veränderungen stattfinden können."
Susanne Foitzik, Professorin für Evolutionsbiologie

Fragen innerhalb der Evolutionsbiologie drehen sich eher um Details, etwa den Einfluss von Faktoren wie Mutation oder Selektion. Dass die Evolutionsbiologie aber unstrittig zum Biologie-Unterricht gehört, ist klar: "Man kann Biologie nicht unterrichten ohne die Evolutionsbiologie zu lernen", sagt Susanne Foitzik. "Das ist so ähnlich, als wenn würde man Chemie unterrichten und sagen: 'Nein, das Periodensystem brauchen wir nicht.'"