Was man so alles findet, wenn man im Müll wühlt. Wissenschaftler haben ein Bakterium entdeckt, das einen ganz besonderen Fetisch hat - es steht auf Plastik.

Es dauert 450 Jahre, bis sich eine Kunststofflasche zersetzt hat, die in die Natur geschmissen wurde - das schätzt das Umweltbundesamt. Wie praktisch wäre es da, wenn es jemanden geben würde, der das Plastik einfach auffrisst. Japanische Forscher haben jetzt ein Bakterium entdeckt, dass genau diesen Trick drauf hat und ihre Ergebnisse im Magazin "Science" veröffentlicht.

Ideonella Sakaiensis heißt das Bakterium. Und wer es unter das Mikroskop legt, entdeckt: Es sieht wie ein ganz normales Bakterium aus, sagt Wissenschaftsjournalist Michael Lange. Völlig ungewöhnlich sind aber seine Stoffwechselfähigkeiten. Gefunden haben die Wissenschaftler Ideonella Sakaiensis auf einer Recyclinganlage für Plastik. Das Bakterium macht es sich in einem dünnen Flüssigkeitsfilm auf dem Plastik gemütlich und sich dann ans Werk. Ganz überraschend ist diese spezielle Diät übrigens nicht. Es gibt auch einige Pilze, die Plastik zersetzen, also hatten Wissenschaftler die Hoffnung, dass solche Feinschmecker auch im Reich der Bakterien vorkommen.

Im Stoffwechsel des Bakteriums sind zwei Enzyme enthalten, die das Polyethylenterephthalat (PET), eine besondere Form des Plastiks, zerlegen können. Auf biochemischer Ebene läuft das Ganze in zwei Schritten ab und dauert sehr lange. Bis eine Plastikflasche zerlegt ist, kann es schon mal sechs Wochen dauern - aber immer noch viel schneller als die 450 Jahre, die sonst vergehen müssen.

"Vom Aussehen her ist Ideonella Sakaiensis ein ganz normales Bakterium - aber seine Stoffwechselfähigkeiten sind etwas ganz Besonderes."
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

Damit beim großen Plastikvernichten alles glatt geht, braucht das Bakterium allerdings optimale Bedingungen. So fühlt sich Ideonella Sakaiensis erst bei 30 Grad richtig wohl. Beim Plastikmüll in den kühlen Weltmeeren verweigert es also den Dienst. Eine Recyclinganlage ist als Habitat schon besser geeignet - weil es sehr viel Plastik und vor allem kaum andere Nährstoffe bietet.

Das Bakterium mag es warm

Dass uns die Bakterien ein für alle Mal vom Plastikproblem befreien, ist allerdings unwahrscheinlich. Auch weil es sehr teuer wäre, Bakterien in speziellen Anlagen auf ihre Beute loszulassen. Michael Lange geht davon aus, dass Plastik in absehbarer Zeit weiter verbrannt wird, auch wenn das weniger umweltfreundlich ist.

Vielleicht hilft es aber auch, auf die Evolution zu setzen. Eines Tages könnte ein Verwandter von Ideonella Sakaiensis auftauchen, der beim Plastikvernichten ein bisschen mehr Gas gibt. Aber natürlich wollen Wissenschaftler bei einem so wichtigen Thema nichts dem Zufall oder der natürlichen Auslese überlassen. An der RWTH Aachen schauen sich Gentechniker gerade ganz genau an, was Ideonella Sakaiensis so treibt und wie man ihm auf die Sprünge helfen kann.