Zeichnen, bemalen oder auch als Dessert verspeisen: Manche Männer haben Spaß an Darstellungen von Penissen. Mit welchen Theorien sich dieses Verhalten erklären lässt, weiß die Sexualtherapeutin Nele Sehrt.

Er ist Barista und dekoriert seine Milchkaffee-Kreationen am liebsten mit Penissen. Seinen rund 104.000 Followern scheint zu gefallen, was "dicklatte" auf Instagram präsentiert.

Aber auch Piloten oder Jogger können das: Mit Flug- oder Laufrouten zeichnen sie virtuos Penisse in den Himmel und auf digitale Flug- und Landkarten und ernten viel Zustimmung dafür auf Twitter und Co.

Eine ägyptische Konditorin kam kürzlich sogar deswegen in Schwierigkeiten. Die Mitglieder eines Sportclubs aus Kairo hatte Cupcakes mit Penis-Deko bestellt. Die Polizei fand diesen Gag nicht so lustig und verhaftete die Kuchenbäckerin, nachdem Fotos der keinen Köstlichkeiten in den sozialen Medien aufgetaucht waren.

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Faszinosum Penis - Erklärungsversuche verschiedener psychologischer Strömungen

Die Sexualtherapeutin Nele Sehrt sagt, dass wir alle in unserer Jugend eine Phase durchlaufen, in der wir uns mit dem eigenen Körper und Geschlecht auseinandersetzen. Wieso manche erwachsenen Männer das aber immer noch täten, sei die viel spannendere Frage.

Psychoanalyse: Die Kastrationsangst

Die Psychoanalyse vermutet, dass eine Kastrationsangst dahinter stecke, sagt Nele Sehrt. Die Erklärung: Ein Junge stelle an einem gewissen Punkt seiner Entwicklung fest, dass er ein externes Geschlechtsorgan habe, die Mutter oder die Schwestern aber nicht. Der psychoanalstische Erklärungsansatz: Der Junge geht davon aus, dass die weiblichen Personen das Geschlechtsorgan durch eine Kastration verloren haben, die ihm auch drohen könnte.

"Er geht dadurch in die symbolische Repräsentation dieser Macht, setzt sich viel mehr damit auseinander und präsentiert ihn daduch auch viel mehr."
Nele Sehrt über die psychoanalytische Theorie, wieso Männer Penisse in Darstellungen präsentieren
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Biologie: Imponierverhalten und Reviermarkierung

Als ein Relikt aus dem Reptiliengehirn könnte das Präsentieren des Penisses beim Mann aus biologischer Sicht gedeutet werden. Von verschiedenen Affenarten ist bekannt, dass sie ihren Penis zeigen, um zu balzen, zu drohen, zu beschwichtigen oder zu imponieren.

Form der Traumabewältigung

Weshalb Männer Penisse symbolisch präsentieren, indem sie sie zeichnen, liegt laut Traumabewältigungstheorie daran, dass sie damit möglicherweise ein Trauma aus ihrer Jugend aufarbeiten. Beispielsweise, weil sie als Jugendlicher auf einer öffentlichen Toilette wegen der Größe oder des Aussehens ihres Geschlechtsteils ausgelacht wurden.

Die negative Erfahrung soll dann durch eine positive ersetzt werden. Indem sie einen Penis malen, erzeugen sie eine positive Reaktion - zum Beispiel Gelächter -, was ihnen dabei helfen kann, die frühere Kränkung zu überwinden.

"Dass wir immer wieder Situation suchen, um unser Genital zu präsentieren oder uns damit auseinanderzusetzen, damit wir uns in einem positiven Zusammenhang wieder davon lösen können."
Sexualtherapeutin Nele Sehrt über die Theorie, dass das Darstellen von Penissen dazu dienen kann, Traumata zu überwinden.

Weil Frauen hauptsächlich innenliegende Geschlechtsorgane haben und auch eine andere Form der Aggression praktizieren als Männer, kommt es seltener vor, dass sie sich mit ihren Genitalien befassen oder diese präsentieren.

Dass Vulva-Malkurse oder andere Formen, sich mit dem weiblichen Geschlechtsorgan auseinanderzusetzen, angeboten werden, sei daher noch ein relativ neuer Trend, sagt Nele Sehrt.