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Annie hat ihre Narben lasern lassen, ihr vermeintlicher Traummann Tyler fügt ihr neue, seelische Verletzungen zu. "Das Privileg" von Mary Adkins erzählt von sexualisierter Gewalt auf einem Südstaaten-Campus.

Mary Adkins hat für ihren Roman "Das Privileg" eine Hauptfigur entwickelt, die an einer Universität in den Südstaaten sexuelle Gewalt erfährt: Die Protagonistin Annie vertraut dem an der Oberfläche so feinsinnigen, klugen und begabten Tyler.

"Kann so ein kluger, begabter und aufmerksamer Typ ein Vergewaltiger sein? Es geht nicht gut aus. Nicht für sie. Ja, er kann."
Lydia Herms über die Figur Tyler in "Das Privileg" von Mary Adkins

Annie ist eine von drei jungen Frauen, deren Wege sich auf dem Campus einer Universität im Süden der USA kreuzen. Von der Fagott-Spielerin Annie, von ihrer Mitstudentin Bea und von der jungen Café-Mitarbeiterin Stayja erzählt Mary Adkins in ihrem Roman "Das Privileg". Ihre Verbindung ist nicht nur der Ort, an dem alles spielt, sondern auch ein Mann.

Verblasste Narben

An dem Abend, als Annie Tyler kennenlernt, ist sie glücklich. Es ist der erste Abend ihres zweiten Studienjahres – und auch der wichtigste: Sie trägt eine kurze Hose. Das kann Ende August schonmal vorkommen, klar, aber nicht, wenn man wie Annie ein komplett vernarbtes Bein hat. In den Ferien hat sie die Brandnarben weglasern lassen, von dem Geld, das sie mit Fagott-Unterricht verdient hat.

"Die Narben sind nicht komplett weg, aber sie sind auch nicht mehr das erste, was man sieht, wenn man Annie ansieht. Und deshalb hat sie den süßen Typen angequatscht."
Lydia Herms über die Figur Annie in "Das Privileg" von Mary Adkins

Dass dieser Tyler sowas wie eine Berühmtheit am Campus ist, weil seine Eltern steinreich und ziemlich wichtig für die Uni sind, sieht sie erst, als sie sämtliche Social Media-Plattformen nach ihm absucht. Jackpot?!

Verfahren gegen Tyler

Drei Wochen später läuft ein Uni-internes Verfahren wegen sexuellen Übergriffs in zwei Fällen: Annie Stoddard gegen Tyler Brand. Die Klägerin gibt an, durch ihre Körpersprache gezeigt zu haben, dass sie keinen Sex will. Der Angeklagte streitet alles ab. Er gibt an, dass Annie sehr labil gewirkt habe, vielleicht wegen ihrer Narben. Niemals hätte er etwas getan, was sie nicht auch gewollt hätte. Außerdem sei er leider beide Male betrunken gewesen.

Zu dieser Argumentation hat ihm Bea geraten, Tylers sogenannter studentischer Beistand. Sie hat sich den Fall nicht ausgesucht, aber sie will ihn auch nicht vermasseln. Das bedeutet, dass sie sich nur an die Fakten halten darf, nicht an das, was sie fühlt, oder glaubt.

"Das Privileg (Orginaltitel: "Privilege") von Mary Adkins | aus dem Englischen übersetzt von Marie Rahn | erschienen im Verlag Kindler | 429 Seiten | gebundene Ausgabe (Hardcover): 20 Euro, E-Book: 14,99 Euro | erschienen am 26.01.2021

Die Autorin: Mary Adkins studierte Jura, arbeitete als Anwältin und unterrichtet heute Storytelling in New York. Sie ist preisgekrönte Autorin diverser Theaterstücke und hat für zahlreiche Zeitungen, u. a. die New York Times, geschrieben. 2019 erschien ihr Debütroman "Wenn du das hier liest".

Hinweis:
Wenn ihr selbst von Sexismus oder sexueller Gewalt betroffen seid, holt euch Hilfe. Eine erste Anlaufstelle können zum Beispiel das Hilfetelefon unter 0800 011 60 16, das Hilfsportal Missbrauch oder die Telefonseelsorge sein.