Arum hat Progerie. Obwohl er erst 16 Jahre als ist, steckt er physisch im Körper eines 80-Jährigen. Seine Krankheit macht ihn einsam. Was passiert, als er schließlich in einer Fernsehsendung auftritt, lest ihr in "Mein pochendes Leben" von Ar-Ran Kim -  das perfekte Buch für den Moment, wenn du am Tropf hängst.

Im Krankenhaus, auf den Straßen, dem Markt oder in der Ubahn - überall wird Arum angestarrt. Und Arum weiß auch, was die Menschen sehen. Sie sehen einen alten Mann in Kinderkleidung. Sie sehen fahle Haut, dünnes Haar und zittrige Hände. Arum ist ein 16-Jähriger im Körper eines Greises. Denn Arum hat Progerie. Das heißt, er altert rasend schnell.

Leben zwischen Büchern und Krankenhaus

Als Arum zwei Jahre alt ist, wird seine Krankheit festgestellt. Bei seinen Krankenhausbesuchen ist es immer dasselbe: Wenn die Ärzte ihn untersuchen, finden sie immer irgendetwas Neues. Der Orthopäde stellt fest, dass Arum wieder zwei Zentimeter geschrumpft ist. Der Kardiologe erklärt, Arums Herz sei eine tickende Zeitbombe.

"Mama, die Leute schauen uns an, sagt Arum.
Seine Mutter erwidert unbeeindruckt:
Klar, weil sie mich hübsch finden.
Das ist natürlich gelogen. Das wissen beide."
Lydia Herms über "Mein pochendes Leben"

Arum ist einsam. Er geht nicht zur Schule, lernt zuhause, liest vor allem Bücher. Er verschlingt alles, was die örtliche Bibliothek hergibt. Da er keine Ahnung davon hat, was man als Teenager wissen muss, will er sicherheitshalber alles wissen.

Plötzlich verliebt

Als Arum eines Tages seine Geschichte im Fernsehen erzählt, bekommt er später eine E-Mail von einem Mädchen. Sie nennt sich So-ha und schreibt, auch krank zu sein. Sie schickt ihm Lieder und vertraut ihm Geheimnisse an. 

"Arum verliebt sich - obwohl er schon bald ahnt, dass So-ha gar nicht existiert. Es ist ihm egal. Er fühlt. Und das ja nicht mehr lange."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

Buchautorin Ae-ran Kim, geboren 1980 in Incheon (Südkorea) sorgte 2005 mit ihrem Erzählband "Lauf, Vater lauf" für Furore: Als jüngste Preisträgerin überhaupt erhielt sie dafür den begehrten Hanguk-Ilbo-Literaturpreis. "Mein pochendes Leben" ist ihr erster Roman. Darin nimmt die Sükoreanerin die Perspektive des kranken Arum ein - von seiner Geburt bis zu seinem Tod.

Das Buch:

Ae-Ran Kim: "Mein pochendes Leben", aus dem Koreanischen übersetzt von Sebastian Bring, erschienen bei cass Verlag, 320 Seiten.