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Mely Kiyak erzählt in "Frausein" aus ihrem Leben als Tochter eines kurdischen Gastarbeiters in Deutschland, ein liebevoller Vater, der sich nichts mehr wünscht, als dass es seine Kinder einmal besser haben als er. Allerdings sind an diesen Wunsch auch Erwartungen geknüpft.

Trotz der zahlreichen Unfälle war niemand auf die Idee gekommen, dass etwas mit ihren Augen nicht stimmen könnte. Und eines morgens also, auf dieser Insel, in ihrem Bett, mit einem Kaffee und einem Buch in der Hand, war aus dem Schlechtsehen plötzlich ein Nichtsehen geworden.

"Die junge Frau hat den Krankenwagen gerufen, die Haustür geöffnet, sich in einen Sessel gesetzt, zur Beruhigung eine Melodie geatmet und gewartet."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Rezensentin, über die Protagonistin in "Frausein" von Mely Kiyak

Der Text von Mely Kiyak passt in keine Kategorie. Für einen Roman ist er vielleicht zu autobiografisch, fragmentarisch, anekdotisch, kurz. Für einen Essay ist er womöglich zu ehrlich, persönlich, albern und bunt. Kein Sachbuch. Keine Novelle. Kein Tagebuch. Kein Gedicht. "'Frausein' hat von allem etwas", findet Deutschlandfunk-Nova-Rezensentin Lydia Herms.

Freiheit vs. Erwartungsdruck

In dem Buch geht es um die Geschichte der Tochter eines kurdischen Gastarbeiters in Deutschland. Der Vater liebt seine Kinder und will alles dafür tun, dass sie etwas im Leben erreichen. Der Sohn mag Musik? Also kriegt er ein Klavier. Ein verstimmtes, aber ein Klavier. Die Tochter schreibt gern? Also kauft der Vater bei Aldi alles, was wie ein Stift aussieht – auch wenn "Insulin-Pen" draufsteht. Dass seine Kinder studieren werden, steht außer Frage. Fabrikarbeit und Putzengehen soll ihnen erspart bleiben. Sie sind frei. Aber so verlockend und grenzenlos diese Freiheit auf den ersten Blick erscheint, so erdrückend ist sie auch. Die Eltern wünschen ihren Kindern nicht nur, dass sie es weit bringen, sie erwarten es.

Die Autorin

Mely Kiyak, geboren 1976, lebt in Berlin und veröffentlichte mehrere Bücher und Essays, Theaterstücke und andere Texte. Für Zeit Online schreibt sie die wöchentliche politische Kolumne "Kiyaks Deutschstunde", für das Gorki Theater Berlin "Kiyaks Theater Kolumne". 2011 wurde sie mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. 2020 erschien ihr neues Werk "Frausein".

Das Buch

"Frausein“ von Mely Kiyak, Carl Hanser Verlag, 127 Seiten, gebundene Ausgabe (Hardcover): 28 Euro, E-Book: 13,99 Euro, Hörbuch: um die 10 Euro; ET: 17.08.2020.