• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

In "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" verliebt sich eine sogenannte Dschinnya in einen Menschen. Dschinns haben eigentlich keine Gefühle, sie haben Sex, gern auch in Gestalt von Menschen mit Menschen, aber eigentlich nur zum Zeitvertreib. Dunia, eine mächtige Dschinnya, bleibt länger als gewöhnlich, lebt unentdeckt unter den Menschen – und findet Ibn Ruschd.

Es ist das Jahr 1195. Ibn Ruschd hadert mit seinem Leben. Eben war er noch der Leibarzt des Kalifen gewesen, jetzt haust er in einem dunklen Häuschen, in einem spanischen Dorf, in das all die verbannt worden waren, die den Herrschenden nicht passten – vor allem Juden, die nicht mehr sagen dürfen, dass sie Juden sind, und Philosophen, die nicht mehr philosophieren dürfen – so wie Ibn Ruschd. Er war wegen seiner freisinnigen Ideen – wie die über Ursache und Wirkung – in Ungnade gefallen. 

"Er weiß nicht, wer sie ist. Er sieht lediglich ein Mädchen vor seiner Tür stehen, vielleicht 16 Jahre alt. Es lächelt und wartet geduldig, bis er es wahrnimmt, bis er den Kopf hebt und es fragt: Wer bist du?"
Lydia Herms über den Roman "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte"

Nun lebt er von Erspartem und von den wenigen Einnahmen, die ihm die Tätigkeit als Arzt einbringt. Außerdem versucht er sich mehr schlecht als recht im Pferdehandel und als Investor in Tonkrüge. Darüber hinaus ist das Leben des Philosophen Ibn Ruschd trost- und sinnlos. Und dann taucht diese junge Frau bei ihm auf.

Ein Roman in der Zeit von Tausendundeine Nacht

Salman Rushdie wählte eine der berühmtesten Zeitspannen der Weltliteratur als Titel und Thema für seinen Roman, in dem es um den Krieg der Vernunft gegen den Glauben geht. Oder umgekehrt. Während in der Geschichtensammlung "Tausendundeine Nacht" Scheherazade, die Tochter des Wesirs, jede Nacht Geschichten erzählt, um dem Tode zu entkommen, bringt sich der Schriftsteller Rushdie mit seinen Geschichten immer wieder selbst in Gefahr. Am 14. Februar 1989 hat der iranische Staatschef Ayatollah Khomeini den Schriftsteller für seinen Roman "Die satanischen Verse" mittels einer Fatwa zum Tode verurteilt.

Der Autor und das Buch

Salman Rushdie, 1947 in Bombay geboren, studierte in Cambridge Geschichte. Mit seinem Roman "Mitternachtskinder" wurde er weltberühmt. Seine Bücher erhielten renommierte internationale Preise. 2007 schlug ihn die Queen zum Ritter.

"Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte“ (Originaltitel: "Two Years Eight Months And Twenty-Eight Nights") von Salman Rushdie, aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Sigrid Ruschmeier, erschienen bei C. Bertelsmann, 380 Seiten, gebundene Ausgabe: 19,99 EUR. Das Buch ist auch als Hörbuch erhältlich.