Futterknappheit, Fressfeinde und Überbevölkerung - all das verringert die Überlebenschancen der Jungen. Manche Tierarten passen den Nachwuchs an.

Weißwedelhirsche bringen meist mehrere Kitze zur Welt. Bis zu 70 Prozent der Hirschkühe bekommen Zwillinge oder Drillinge. Wenn aber viele Weißwedelhirsche auf engstem Raum zusammenleben, werfen die Hirschkühe nur einzelne Kitze. Damit sorgen sie dafür, dass genügend Platz und Futter für die kommende Generation vorhanden ist.

"Ein Hyänen-Clan mit vielen Weibchen bekommt zusätzliche Power und kann sich deshalb gegenüber anderen Clans leichter durchsetzen und dadurch sein Revier vergrößern.
Mario Ludwig, Biologe

Tüpfelhyänen passen nicht die Zahl, sondern das Geschlecht ihrer Jungen an veränderte Umweltbedingungen an. Wenn es viele Beutetiere gibt, setzen die Hyänenmütter doppelt so viele weibliche Nachkommen, wie männliche Nachkommen in die Welt. 

Männchen verlassen das Rudel

Die deutlich größeren Weibchen sind im Hyänenclan nämlich ganz klar dominierend und auch deutlich aggressiver. In Zeiten von Nahrungsmangel gebären die Hyänenweibchen dagegen deutlich weniger Männchen. Die verlassen nämlich, kaum, dass sie erwachsen sind, den Clan und schließen sich einem anderen Rudel an.

Ein Tüpfelhyänen-Junges.
© Imago
Eine junge Tüpfelhyäne

Genau umgekehrt wie bei den Tüpfelhyänen läuft es bei der größten Robbenart der Welt, den See-Elefanten. Die bekommen nur in guten Zeiten reichlich männlichen Nachwuchs. Männchen sind für See-Elefanten ein Luxus, den man sich nur dann leisten kann, wenn es genügend Futter gibt.

"Männchen sind zum großen Teil eine evolutionäre Sackgasse für das Erbgut der Mutter."
Mario Ludwig, Biologe

Die meisten Seeelefanten-Männchen kommen nie dazu, sich fortzupflanzen, weil nur die durchsetzungsfähigsten Männchen in der Lage sind, sich gegen die starke Konkurrenz ein Revier mit dem dazugehörenden Harem zu erobern. Weiblicher Nachwuchs dagegen trägt mit hoher Sicherheit die Gene der Mutter in die nächste Generation.

Seeelefant-Kalb.
© imago
Ein junger Seeelefant.

Eine bestimmte Art von Wasserflöhen kann sogar die Größe und das Aussehen der Nachkommen anpassen. Das hängt davon ab, welche Fressfeinde vorhanden sind. Durch die Anpassung sind die jungen Flöhe besser vor ihnen geschützt.

Sägezahnartiger Kamm zur Abwehr

Sind zum Beispiel in einem Gewässer, das der Gemeine Wasserfloh bewohnt, viele Larven von sogenannten Büschelfliegen vorhanden, bringen die Floh-Weibchen nur noch große Junge zur Welt. Und die sind außerdem noch mit einem sägezahnartigen Kamm im Kopf-Nacken-Bereich ausgestattet. Solche Junge werden – das zeigen Beobachtungen - deutlich seltener von Büschelfliegenlarven erbeutet, als normale Junge.