Es gibt Tierarten, die sich bei Gefahr einfach tot stellen. Welcher Fressfeind möchte schließlich eine mehr oder minder betagte Leiche verspeisen? Andere Tiere wiederum täuschen aus ganz anderen Gründen vor, dass sie tot sind. Die besten und interessantesten "Totsteller" im Tierreich wird uns jetzt unser Biologe Dr. Mario Ludwig etwas genauer vorstellen.

Der bekannteste Totsteller ist das Opossum 

Der mit großem Abstand bekannteste "Totsteller" im Tierreich ist das Opossum. Werden diese 40 Zentimeter großen, nordamerikanischen Beutelratten von einem körperlich überlegenen Fressfeind bedroht, stellt sich das Opossum sofort tot. 

Fressfeinde sind zum Beispiel Kojoten, Wölfe oder Pumas. Und gegen die behauptet sich das Opossum mit ziemlich beeindruckenden schauspielerischen Fähigkeiten. Es fällt wie ein gefällter Baum um, schließt die Augen und lässt die Zunge weit aus dem Mund hängen. Gleichzeitig verströmt es aus seinen Analdrüsen einen aasähnlichen Duft. Das Ganze ist derart überzeugend, dass der Begriff "playing possum" in der amerikanischen Umgangssprache mittlerweile zu einem häufig gebrauchten Synonym für "tot stellen" geworden ist.

Die beste Totstellerin ist die kubanische Zwergboa

Das Opossum wird in Sachen Schauspielkunst allerdings von der kubanischen Zwergboa übertroffen. Diese Boa ist eine 80 Zentimeter lange Schlange, die mit viel Hingabe eine Leiche spielt und dabei großen Wert aufs Detail legt. Zunächst einmal rollt sie sich zu einem leblosen Knäuel zusammen, um dem geneigten Betrachter zu suggerieren, die Totenstarre sei bereits eingetreten. Gleichzeitig verströmt sie eine nach Aas riechende Flüssigkeit, die vortäuschen soll, die Schlange sei bereits am Verwesen. Als Krönung ihrer Vorstellung lässt die Schlange dann auch noch einige spezielle Blutäderchen platzen, mit der Folge, dass sie aus Mund und Nase blutet und ihre Augen rot anlaufen. 

Füchse und eine Buntbarschart stellen sich tot, um ihre Mahlzeit zu verwirren

Füchse stellen sich tot, um sich selbst den Magen vollzuschlagen. Die kleinen Beutegreifer mimen nach Beobachtungen von Wildbiologen nämlich gern mal eine Leiche, um aasfressende Krähen anzulocken. Hat sich dann eine Krähe in die unmittelbare Nähe des vorgeblich Verstorbenen gewagt, wird sie von diesem gepackt und mutiert selbst zu einer Mahlzeit.  

Ein Fuchs.
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Im Malawisee in Ostafrika lebt eine Buntbarschart mit wissenschaftlichem Namen Nimbochromis livingstonii. Bei diesem rund 30 Zentimeter langen Fisch handelt es sich um das, was Biologen als piscivoren - fischfressenden - Lauerräuber bezeichnen. Der kleine Barsch legt sich nämlich auf den Grund des Sees, imitiert also einen toten Fisch. 

Nähert sich dann ein kleiner Fisch, der gerne Aas frisst, schnappt der Buntbarsch zu. Diese ungewöhnliche Jagdmethode hat dem Buntbarsch auch seinen Namen bei den Einheimischen eingebracht. Sie nennen ihn Kalingono, was übersetzt Schläfer bedeutet.