Unser Tierexperte behauptet, viele Hunde seien ausgesprochene Rassisten. Das ist zu erklären - und dann klingt es schon gar nicht mehr so schlimm.

Wer einen Hund hat, kann beim Gassigehen relativ schnell feststellen, dass die Tiere in Kontakt mit anderen Hunden oft Artgenossen der gleichen Rasse bevorzugen. Andere hingegen meiden sie, reagieren aggressiv oder ängstlich.

"Treffen ein schlanker Windhund und ein kompakter Bernhardiner aufeinander, stehen sie sich zunächst einmal skeptisch gegenüber."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Hunde halten Hunde anderer Rassen nicht etwa für minderwertig oder meiden sie, weil sie negative Erfahrungen gemacht haben - denn andere Rassen sind theoretisch auch mögliche Sozialpartner. Aber: Hunde können ziemlich skeptisch sein, wenn das gegenüber stark vom eigenen Erscheinungsbild abweicht.

Bei Hunden hat das nichts mit Xenophobie zu tun

"Diese Skepsis ist bei Hunden ein wichtiger Schutzmechanismus und hat nichts mit menschlicher Xenophobie zu tun", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig. Fremd aussehende Hunde sind für die Tiere schwieriger einzuschätzen - Kontaktvermeidung minimiert einfach das Risiko eines Angriffs.

"Ein Yorkshire Terrier wird sich lieber mit einem etwa gleichgroßen Hund, wie etwa einem Rehpinscher oder einem Pekinesen anfreunden, als mit einer Dänischen Dogge."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Manchmal kommt es den Hunden sogar auf die Haut- oder Fellfarbe an: Viele Hunde mögen keine schwarzfarbigen Hunderassen, oder zumindest nicht die mit schwarzem Gesicht - wie etwa Dobermänner, Labradorretriever oder Rottweiler. 

Die Farbe an sich ist dabei nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass sich die Mimik und die Augenpartie des Gegenübers schlechter einschätzen lässt. Und das verunsichert die Vierbeiner, so dass sie oft einen Bogen um Hunde mit solchen Gesichtern machen.

"Auch bei sogenannten Knautschgesichtern, wie sie etwa Boxer oder Möpse haben, können Hunde die Mimik ihres Gegenübers schlecht einschätzen und machen oft einen Bogen um sie.
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Auf der Hundewiese mögen es manche Vierbeiner außerdem von Natur aus etwas distanzierter, wie der Collie - andere gehen eher mit ganzem Körpereinsatz zur Sache, wie die Bulldogge. Bei so großen Unterschieden wird lieber mit Rassegenossen getobt, sagt Mario Ludwig.

"Fachleute raten dazu, Hunde möglichst in frühster Jugend positive Erfahrungen mit andersrassigen Hunden machen zu lassen. Es entsteht dann eine Vertrautheit, die die Hunde ihr Leben lang behalten."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte